24.07.2018, 12:07 Uhr

Berlin (AFP) Ärzteverbände lehnen Spahns Pläne für ausgeweitete Sprechzeiten ab

Kassenärzte lehnen Spahns Pläne für ausgeweitete Sprechzeiten ab. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Hauke-Christian Dittrich (Foto: dpa/AFP/Archiv/Hauke-Christian Dittrich)Kassenärzte lehnen Spahns Pläne für ausgeweitete Sprechzeiten ab. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Hauke-Christian Dittrich (Foto: dpa/AFP/Archiv/Hauke-Christian Dittrich)

Sozialverband fordert am "individuellen Bedarf" ausgerichtete Behandlung

Unter den Ärzten formiert sich Widerstand gegen die Pläne von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU), die Sprechstunden für gesetzlich Versicherte auszuweiten. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) befürchtet einen viel zu starken Eingriff der Politik in die Abläufe der Arztpraxen. Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte warf Spahn "kaum noch zu überbietende Ahnungslosigkeit" vor.

Spahn hat ein Gesetzesvorhaben vorgestellt, das die Erhöhung der wöchentlichen Mindestsprechstundenzahl von derzeit 20 auf 25 vorsieht. Zudem sollen bestimmte Arztgruppen fünf Stunden anbieten, für die die Versicherten keine Termine benötigen. Diese Leistung sollen die Ärzte zusätzlich zu ihrem bisherigen Budget bezahlt bekommen.

"Ärzte sind Freiberufler und müssen ihre Arbeit frei gestalten können", sagte KBV-Vorstandschef Andreas Gassen den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Mittwochsausgaben). Eine Erhöhung der wöchentlichen Mindestsprechstundenzahl lehnten die Kassenärzte ab, stellte Gassen klar.

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) sprach sich ebenfalls vehement gegen die Pläne des Gesundheitsministers aus. "Die Idee, Kinder- und Jugendärzten verpflichtende offene Sprechstunden vorzuschreiben, zeugt von kaum noch zu überbietender Ahnungslosigkeit", kritisierte BVKJ-Präsident Thomas Fischbach. Die Kinder- und Jugendärzte arbeiteten bereits an der "Grenze unserer Leistungsfähigkeit". Spahns Pläne würden Ärzte davon abhalten, eine Praxis zu übernehmen.

Der Sozialverband Deutschland unterstützte die Absicht des Ministers, die Wartezeiten zu verringern. "Fraglich ist jedoch, ob Mindestsprechstundenzeiten von wöchentlich 25 Stunden dazu der richtige Weg sind", gab Verbandspräsident Adolf Bauer zu bedenken. Das eigentliche Ziel müsse eine am "individuellen Bedarf orientierte medizinische Behandlung" sein.

In einer alternden Gesellschaft müssten die Ärzte daher auch mehr zu den Patienten kommen. Eine Stundenvorgabe für Sprechstunden sei also nicht entscheidend für eine umfassende Versorgung aller Patienten, fügte Bauer hinzu.


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