24.07.2018, 13:30 Uhr

Paris (AFP) Opel schreibt wieder schwarze Zahlen

Opel-Logo. Quelle: AFP/Archiv/Patrik STOLLARZ (Foto: AFP/Archiv/Patrik STOLLARZ)Opel-Logo. Quelle: AFP/Archiv/Patrik STOLLARZ (Foto: AFP/Archiv/Patrik STOLLARZ)

Erster Halbjahresgewinn seit 2016

Der krisengeschüttelte Autobauer Opel schreibt wieder schwarze Zahlen. Wie die französische Konzernmutter PSA am Dienstag mitteilte, trugen Opel und die Schwestermarke Vauxhall im ersten Halbjahr mit rund 500 Millionen Euro vor Steuern und Zinsen zum Konzerngewinn bei. PSA betonte aber, dies könne nur der Anfang sein. Opel müsse das Niveau der Unternehmensgruppe erreichen.

"Die Opel/Vauxhall-Teams beginnen, gute Ergebnisse zu liefern, um ein neues Opel/Vauxhall zu schaffen", erklärte PSA-Chef Carlos Tavares. "Sie arbeiten mit Hochdruck daran, weitere Potenziale freizusetzen." Die beiden Marken bilden zusammen die Opel Automobile GmbH.

Laut den Halbjahreszahlen machte Opel einen Gewinn vor Steuern und Zinsen von gut 500 Millionen Euro bei einem Umsatz von knapp zehn Milliarden Euro. Das entspricht einer Marge von 5,0 Prozent. Zum Vergleich: Bei den anderen PSA-Marken Peugeot, Citroën und DS betrug die Marge 8,5 Prozent.

Zuletzt hatte Opel laut einem Sprecher im Jahr 2016 eine positive Halbjahresbilanz - wenn auch deutlich niedriger. "Aber dann kam das Brexit-Votum und hat alles zunichte gemacht". Den letzten Jahresgewinn verbuchte Opel deshalb vor knapp zwei Jahrzehnten im Jahr 1999.

Der operative Gewinn im ersten Halbjahr nun sei ein Beweis für das Potenzial von Opel, wie PSA-Finanzvorstand Jean-Baptiste de Chatillon betonte. "Es ist erst der Anfang", fügte er hinzu. "Die Tochtergesellschaft muss sich jetzt weiter verbessern, um das Niveau der Gruppe zu erreichen". Opel gehört seit August vergangenen Jahres zu PSA.

Die Aufholjagd des Autobauers ist enorm: Von August bis Dezember 2017 hatte Opel noch eine Marge von minus 2,5 Prozent. Zum Richtungswechsel beigetragen hat eine Kürzung der Fixkosten um 28 Prozent, wie aus der Halbjahresbilanz hervorgeht. Der Autobauer konnte die Produktionskosten deutlich schneller senken als geplant. Außerdem konnte er seine Autos zu besseren Preisen verkaufen. Das Ziel des von PSA vorgegebenen Sanierungsplans sieht eine Marge von zwei Prozent 2020 und von sechs Prozent 2026 vor.

Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer vom CAR-Institut an der Universität Duisburg-Essen wies darauf hin, dass Opel allerdings nicht spürbar mehr Fahrzeuge verkaufen konnte. Der Marktanteil in Europa sei seit 1995 von 12,5 Prozent auf 5,7 Prozent im ersten Halbjahr 2018 gesunken.

Außerdem entwickle Opel seine neuen Modelle auf PSA-Plattformen, weshalb die Autos spätestens 2024 nur noch eine "Markenhülle für PSA-Technik" seien, erklärte Dudenhöffer. Durch die Einsparungen bei der Entwicklung könne Opel "locker" Abfindungen für Mitarbeiter bezahlen.

Wegen der harten Sparmaßnahmen von PSA haben bereits tausende Mitarbeiter das Unternehmen verlassen. Betriebsrat und Unternehmensführung vereinbarten den Abbau von 3700 Stellen. Ende vergangenen Jahres hatte Opel noch 19.000 Mitarbeiter.

Die positiven Nachrichten nehmen ein wenig Druck von den Managern am Opel-Stammsitz in Rüsselsheim. Erst kürzlich haben der Verdacht auf Abgasmanipulationen und Berichte über einen möglichen Verkauf von Teilen des Entwicklungszentrums den Autobauer aufgerüttelt.

Der PSA-Konzern setzte im ersten Halbjahr 38,6 Milliarden Euro um. Der Nettogewinn stieg von 1,25 Milliarden Euro im ersten Halbjahr 2017 auf 1,48 Milliarden Euro im ersten Halbjahr 2018. Damit übertraf PSA die Erwartungen der Analysten. Nach der Verkündung der Zahlen sprang die Aktie um rund elf Prozent nach oben.


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