24.07.2018, 04:56 Uhr

Athen (AFP) Mehr als 20 Tote und über hundert Verletzte bei Waldbränden in Griechenland

Waldbrand bei Rafina in der Nähe von Athen. Quelle: AFP/ANGELOS TZORTZINIS (Foto: AFP/ANGELOS TZORTZINIS)Waldbrand bei Rafina in der Nähe von Athen. Quelle: AFP/ANGELOS TZORTZINIS (Foto: AFP/ANGELOS TZORTZINIS)

Brände wüten auch in Nordeuropa - Deutschland offenbar schlecht vorbereitet

Bei den schweren Waldbränden in Griechenland sind mindestens 20 Menschen ums Leben gekommen und mehr als hundert verletzt worden. Die Menschen seien in ihren Häusern oder Autos von den Flammen eingeschlossen worden, sagte Regierungssprecher Dimitris Tzanakopoulos in der Nacht zum Dienstag in einer Fernsehansprache. Mehrere Touristen werden nach Polizeiangaben vermisst. Auch in Schweden ist die Lage weiter angespannt.

Von den Bränden besonders betroffen waren Mati und die Hafenstadt Rafina in der Nähe von Athen. In der Region wurde der Notstand ausgerufen. Ein AFP-Fotograf hatte am späten Montagabend in der Gegend vier verkohlte Leichen entdeckt.

Unter den Verletzten seien elf Schwerverletzte sowie 16 Kinder, sagte Tzanakopoulos. Die meisten Opfer gab es demnach rund um den Badeort Mati 40 Kilometer nordöstlich von Athen. Die Behörden versuchten, Bewohner in Sicherheit zubringen, Touristen flüchteten vor den Flammen an die Strände in den Küstengebieten der Region. Ferienlager in der Region mit rund 600 Kindern wurden evakuiert.

"Wenn ich nicht geflohen wäre, wäre ich verbrannt", sagte die 67-jährige Maria aus Mati der Nachrichtenagentur AFP.

Die Behörden setzten die Suche nach möglichen weiteren Opfern fort, sagte Tzanakopoulos. Um den im Hafen von Rafina gestrandeten Menschen zu helfen, seien neun Boote der Küstenwache, zwei Militärschiffe, "dutzende private Boote" sowie Armeehubschrauber im Einsatz. Die Geretteten wurden in Hotels und auf Militärstützpunkten untergebracht.

Die Hafenpolizei teilte mit, auf dem Meer bei Rafina zwei dänische Touristen gefunden zu haben. Sie gehörten demnach zu einer Gruppe von bis zu zehn Touristen, die per Boot geflüchtet sei. Nach den übrigen Touristen werde gesucht, hieß es.

Zivilschutzchef Iannis Kapakis sagte, er habe Regierungschef Alexis Tsipras informiert, dass Winde von bis zu hundert Stundenkilometern zu einer "Extremsituation" führten. Nach Angaben der Feuerwehr Athen waren mehr als 3000 Feuerwehrleute, fünf Flugzeuge und zwei Hubschrauber im Einsatz gegen die Flammen.

Tsipras brach wegen der Brände eine Reise in Bosnien ab. Seine Regierung bat andere EU-Staaten um Hilfe. Tsipras erklärte, "alle Rettungskräfte seien mobilisiert", um die Brände an mindestens drei Fronten zu bekämpfen. Er zeigte sich "wirklich besorgt über den gleichzeitigen Ausbruch der Brände".

Behördenvertretern zufolge könnten die Brände möglicherweise von Kriminellen absichtlich gelegt worden sein, um verlassene Häuser zu plündern.

Laut Wettervorhersage war für Dienstag zunächst keine Besserung der Lage in Sicht. Die Temperaturen in der Region liegen um 40 Grad Celsius.

Waldbrände sind in den heißen Sommermonaten in Griechenland keine Seltenheit. Im Jahr 2007 waren dabei insgesamt 77 Menschen getötet worden.

Auch in Nordeuropa wüten derzeit Waldbrände. In Schweden kämpfen die Einsatzkräfte nach Behördenangaben vom Montag landesweit gegen 27 Feuer. Die Temperaturen dürften in dieser Woche die 35-Grad-Marke knacken. Normalerweise liegen die Sommertemperaturen in Schweden bei rund 23 Grad. Seit Anfang Mai hat es in Schweden praktisch nicht mehr geregnet.

Rund 25.000 Hektar Land wurden durch die Feuer in Schweden bereits zerstört oder brennen noch immer. Mindestens vier Brände sind nach wie vor nicht unter Kontrolle. Andere europäische Länder haben Hilfe geschickt. Auch in Finnland, Norwegen und Lettland gab es in diesem Sommer bereits Waldbrände.

Deutschland ist indes offenbar nur unzureichend auf große Waldbrände vorbereitet. "Es ist tatsächlich so, dass die Länder und der Bund über kein einziges Löschflugzeug verfügen", sagte die Sprecherin des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, Marianne Suntrup, der "Rheinischen Post" vom Dienstag. Der Feuerwehrverband in NRW (VdF) kritisierte, dass es bundesweit auch an Spezialisten sowie an entsprechender Ausrüstung zur Bekämpfung von Waldbränden mangele.


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