23.07.2018, 10:34 Uhr

Berlin (AFP) Merkel zollt Özil Respekt für seine Leistung als Nationalspieler

Mesut Özil spielt nicht mehr für Deutschland. Quelle: AFP/Archiv/Luis Acosta (Foto: AFP/Archiv/Luis Acosta)Mesut Özil spielt nicht mehr für Deutschland. Quelle: AFP/Archiv/Luis Acosta (Foto: AFP/Archiv/Luis Acosta)

Aber zurückhaltende Reaktion auf Rassismus-Vorwürfe

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat dem Fußballspieler Mesut Özil Respekt für seine Leistung in der Nationalmannschaft gezollt. Özil sei ein "toller Spieler", der für die deutsche Mannschaft viel geleistet habe, sagte Vizeregierungssprecherin Ulrike Demmer am Montag in Berlin. "Er hat eine Entscheidung getroffen, die zu respektieren ist."

Zurückhaltend reagierte Demmer auf die von Özil erhobenen Rassismus-Vorwürfe. "Deutschland ist ein weltoffenes Land", in dem Menschen mit Migrationshintergrund "herzlich willkommen sind", sagte sie. Für die Bundesregierung sei Integration eine "Schlüsselaufgabe", bei der alle gesellschaftlichen Gruppen gefragt seien. Dem Sport komme hier eine wichtige Bedeutung zu.

Auch der Deutsche Fußballbund (DFB) engagiere sich mit zahlreichen Projekten für die Integration und den Zusammenhalt in unserem Land, sagte Demmer weiter. Der DFB werde sich mit der Aufarbeitung der gesamten Weltmeisterschaft beschäftigen.

Özil hatte sich am Sonntag erstmals zu seinem umstrittenen Treffen mit dem türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdogan im Mai geäußert und anschließend erklärt, er trete aus der deutschen Nationalmannschaft aus. Er prangerte einen weit verbreiteten Rassismus gegen ihn als Deutschtürken an und erhob insbesondere schwere Vorwürfe gegen DFB-Chef Reinhard Grindel.

Die Erklärung des türkischstämmigen Özil rief zahlreiche Reaktionen auch aus der Politik hervor und löste eine Debatte über Integration in Deutschland aus.

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) hob mit Blick auf den beim FC Arsenal spielenden Özil hervor, er glaube nicht, "dass der Fall eines in England lebenden und arbeitenden Multimillionärs" Auskunft gebe über die Integrationsfähigkeit in Deutschland. Auch das frühe Ausscheiden der deutschen Mannschaft bei der Fußball-WM in Russland habe "wenig damit zu tun, dass Herr Özil sich mit Herrn Erdogan hat fotografieren lassen".

Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Annette Widmann-Mauz (CDU), warnte vor einer vorschnellen Verurteilung des scheidenden Fußball-Nationalspielers. Zwar sei das gemeinsame Foto mit Erdogan ein Fehler gewesen, erklärte Widmann-Mauz. "Die berechtigte Kritik darf aber nicht in eine pauschale Ausgrenzung von Spielern mit ‎Migrationshintergrund umschlagen."

Auch die Kritik von Özil müsse ernst genommen werden, forderte Widmann-Mauz. "Wir müssen uns die Frage stellen, ob Spieler mit unterschiedlichem Maß gemessen werden." Es könne nicht sein, "dass das Verhalten von Özil für das Ausscheiden der deutschen Nationalmannschaft verantwortlich gemacht wird. Man gewinnt als Mannschaft und verliert als Mannschaft."


0 Kommentare