22.07.2018, 20:29 Uhr

Amman (AFP) Israel bringt hunderte syrische Weißhelme vor Regierungstruppen in Sicherheit

Regierungssoldaten in der südsyrischen Stadt Kuneitra. Quelle: AFP/Youssef KARWASHAN (Foto: AFP/Youssef KARWASHAN)Regierungssoldaten in der südsyrischen Stadt Kuneitra. Quelle: AFP/Youssef KARWASHAN (Foto: AFP/Youssef KARWASHAN)

Einige der Ersthelfer und ihre Familien sollen nach Deutschland kommen

In einer ungewöhnlichen Rettungsaktion hat Israel hunderte syrische Weißhelme und ihre Familien vor den heranrückenden Regierungstruppen im Süden des Landes in Sicherheit gebracht. Wie die jordanische Regierung am Sonntag mitteilte, wurden 422 Mitglieder der syrischen Hilfsorganisation und ihre Angehörigen nach Israel geholt und dann nach Jordanien gebracht. Während Kanada die Aufnahme von bis zu 50 Ersthelfern zusagte, will Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) nur acht aufnehmen.

Die Weißhelme seien durch das Vorrücken der Truppen von Machthaber Baschar al-Assad im Süden Syriens bedroht gewesen, berichtete der israelische Armeerundfunk. Ihre Rettung sei eine "Ausnahme" gewesen.

Der Sprecher des jordanischen Außenministeriums, Mohammed al-Kajed, erklärte, Deutschland, Großbritannien und Kanada hätten ursprünglich zugesagt, 827 Weißhelme und deren Angehörige aufzunehmen. Letztlich seien aber nur 422 Weißhelme und ihre Familien über Israel nach Jordanien gebracht worden. Hier dürften sie höchsten drei Monate lang bleiben.

Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu erklärte, US-Präsident Donald Trump und der kanadische Premierminister Justin Trudeau hätten ihn vor ein paar Tagen um die Evakuierungsaktion gebeten. Die Weißhelme seien "Menschen, die Leben retten und sich nun selbst in tödlicher Gefahr befinden", deshalb habe er dem Ansinnen entsprochen.

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) bestätigte die geplante Aufnahme von Weißhelmen. "Es ist ein Gebot der Menschlichkeit, dass viele dieser mutigen Ersthelfer nun Schutz und Zuflucht finden, einige davon auch in Deutschland", sagte Maas der "Bild"-Zeitung. Deutschland hat die Weißhelme seit 2016 mit zwölf Millionen Euro unterstützt.

Seehofer sagte der "Bild", er habe entschieden, dass Deutschland acht Weißhelme und ihre Familien aufnehmen werde. "Ihnen Schutz zu gewähren ist für mich eine humanitäre Verpflichtung und Ausdruck meiner Politik, für Humanität und Ordnung in der Migrationspolitik zu sorgen", sagte der CSU-Chef, der seit Wochen für die Begrenzung der Aufnahme von Flüchtlingen eintritt.

Kanadas Außenministerin Chrystia Freeland erklärte, mit der Aufnahme von Weißhelmen wolle ihr Land diesen "Helden" helfen. Eine Außenamtssprecherin bestätigte die Aufnahme von bis zu 50 Weißhelmen und deren Familien, also etwa 250 Menschen insgesamt.

Der Leiter der Weißhelme, Raed Saleh, sagte, seine Mitarbeiter seien wegen der "wiederholten Drohungen Russlands und des Regimes" in Gefahr gewesen. Teils seien sie an den Golan-Höhen von der Armee umzingelt gewesen. Die syrischen Regierungstruppen hatten in den vergangenen Wochen große Teile der an Jordanien und die israelisch besetzten Golan-Höhen grenzenden Provinzen Daraa und Kuneitra erobert.

Die Weißhelme bergen im syrischen Bürgerkrieg in den Gebieten unter Kontrolle der Opposition Menschen aus zerstörten Gebäuden und leisten erste Hilfe. Für ihre Arbeit wurde die 2013 gegründete Hilfsorganisation vor zwei Jahren mit dem alternativen Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Die syrische Regierung und Russland werfen ihr vor, die Rebellen zu unterstützen. Die Organisation betont dagegen ihre Neutralität.

Die israelische Armee betonte, der Hilfseinsatz bedeute keine Änderung der Politik Israels, keine syrischen Flüchtlinge aufzunehmen. Israel behalte seine "Politik der Nichteinmischung" bei. Trotz dieser Politik bombardiert Israel seit Jahren in Syrien immer wieder iranische Stellungen und Waffenlieferungen für die libanesische Hisbollah-Miliz.

Laut syrischen Staatsmedien griff die israelische Armee auch am Sonntag eine militärische Stellung im Westen Syriens an. Bei dem Bombardement in Massjaf sei lediglich Sachschaden entstanden, berichtete die amtliche Nachrichtenagentur Sana. Die israelische Armee wollte sich wie häufig in solchen Fällen nicht dazu äußern. Laut Syrischer Beobachtungsstelle für Menschenrechte war eine von Iranern geleitete Raketenwerkstatt das Ziel des Angriffs.


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