21.07.2018, 11:23 Uhr

Gaza (AFP) Hamas verkündet Waffenruhe im Gazastreifen nach erneuter Eskalation

Explosionen im südlichen Gazastreifen. Quelle: AFP/SAID KHATIB (Foto: AFP/SAID KHATIB)Explosionen im südlichen Gazastreifen. Quelle: AFP/SAID KHATIB (Foto: AFP/SAID KHATIB)

Vier Palästinenser und ein israelischer Soldat bei Angriffen getötet

Nach einer erneuten Eskalation der Gewalt im Gazastreifen hat die palästinensische Hamas-Bewegung eine Waffenruhe verkündet. Die Feuerpause trat in der Nacht zum Samstag in Kraft und schien zunächst weitgehend zu halten. Laut der israelischen Armee beschoss ein Panzer einen Hamas-Posten im Norden des Gazastreifens, nachdem Kämpfer versucht hatten, die Grenze nach Israel zu überqueren.

Am Freitag war bei palästinensischen Protesten an der Grenze des Gazastreifens zu Israel laut der Armee erstmals seit vier Jahren ein israelischer Soldat getötet worden. Die Armee reagierte darauf mit massiven Vergeltungsangriffen, bei denen nach Angaben der Hamas drei ihrer Kämpfer getötet wurden. Auch ein palästinensischer Zivilist wurde bei den Protesten erschossen, wie das Gesundheitsministerium mitteilte.

Ein israelischer Armeesprecher sagte, die Armee könne die Tötung des Soldaten an der Grenze "nicht tolerieren". Es sei das erste Mal seit dem letzten Gaza-Krieg 2014, dass ein Soldat bei einem Militäreinsatz in oder um Gaza starb. Die Hamas werde "die Konsequenzen für ihre Taten tragen", warnte das Militär. Demnach wurden bis zum Abend 40 Hamas-Stellungen mit Panzern und Kampfflugzeugen angegriffen.

In der Nacht zum Samstag erklärte die Hamas jedoch, sie habe sich auf eine Feuerpause mit Israel geeinigt. Unter Vermittlung Ägyptens und der Vereinten Nationen hätten beide Seiten eine "Rückkehr zum vorherigen Zustand der Ruhe" vereinbart, erklärte der Hamas-Sprecher Fausi Barhum. Ein Hamas-Vertreter sagte, die Waffenruhe gelte für israelische Luftangriffe und Mörser- und Raketenangriffe der Hamas.

Israels Regierung und die Armee bestätigten die Vereinbarung mit der islamistischen Bewegung zunächst nicht, die seit 2007 im Gazastreifen regiert. "Wir können nur sagen, dass es keine Vorfälle oder israelischen Angriffe im Gazastreifen seit der letzten Angriffswelle Freitagnacht gegeben hat", sagte eine Militärsprecherin. Ein Panzer beschoss am Morgen einen Hamas-Posten, doch wurden keine Verletzten gemeldet.

Israel geht seit einer Woche verschärft gegen militante Palästinenser im Gazastreifen vor. Diese setzen sich gegen den israelisches Beschuss und die seit 2007 anhaltende Blockade des Küstenstreifens zur Wehr, indem sie an Ballons und Drachen Brandsätze auf israelisches Gebiet fliegen lassen. Dadurch wurden in Israel große Ackerflächen in Brand gesetzt. Israelische Politiker fordern eine scharfe Reaktion darauf.

Seit Beginn einer Protestwelle im Gazastreifen am 30. März wurden bereits 149 Palästinenser getötet. Allein bei Massenprotesten zum israelischen Unabhängigkeitstag Mitte Mai erschossen israelische Soldaten rund 60 Palästinenser an der Grenze und verletzten mehr als 2400 weitere. Auch am vergangenen Wochenende gab es heftige Gefechte, bevor sich beide Seiten auf eine Feuerpause einigten.

Die Gewalteskalation hat die Sorge vor einem neuen Krieg zwischen Israel und der Hamas geweckt, die seit 2008 bereits drei Kriege geführt haben. Der UN-Sonderkoordinator für den Nahost-Friedensprozess, Nickolai Mladenov, rief am Freitag eindringlich beide Seiten zur Zurückhaltung auf. "Alle im Gazastreifen müssen von der Klippe zurücktreten. Nicht nächste Woche. Nicht morgen. Genau jetzt!", forderte Mladenow


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