20.07.2018, 12:56 Uhr

Neu Delhi (AFP) Whatsapp will wegen Lynchjustiz Weitergabe von Nachrichten in Indien erschweren

Whatsapp schaltete Anzeigen gegen Falschinformationen. Quelle: AFP/Archiv/Prakash SINGH (Foto: AFP/Archiv/Prakash SINGH)Whatsapp schaltete Anzeigen gegen Falschinformationen. Quelle: AFP/Archiv/Prakash SINGH (Foto: AFP/Archiv/Prakash SINGH)

Auf Whatsapp verbreitete Gerüchte führen immer wieder zu tödlichen Lynchattacken

Der Messengerdienst Whatsapp hat angekündigt, in Indien das Weiterleiten von Nachrichten zu erschweren, um Lynchattacken auf Basis von über Whatsapp verbreiteten Gerüchten vorzubeugen. Das zu Facebook gehörende Unternehmen teilte am Freitag mit, vorgesehen sei unter anderem, die Möglichkeit, eine Nachricht an mehrere Gruppenchats gleichzeitig weiterzuleiten, abzuschaffen.

Aufgebrachte Menschenmengen töteten in den vergangenen zwei Monaten mehr als 20 Menschen in verschiedenen Landesteilen Indiens. Auslöser waren jedes Mal Gerüchte - etwa über Kindesentführungen, Diebstähle oder sexuellen Missbrauch, die meist per Whatsapp verbreitet wurden.

Smartphones und günstiges mobiles Internet selbst in abgelegenen Gegenden des Landes haben dazu geführt, dass sich Falschinformationen wie Lauffeuer verbreiten. Große Teile der Bevölkerung sind mit der neuen Technologien kaum vertraut und nehmen zirkulierende Informationen unhinterfragt für bare Münze - häufig mit gewaltsamen Folgen.

Die Behörden schafften es bislang nicht, dem Phänomen Herr zu werden. Am Donnerstag drohte die Regierung in Neu Dehli, Whatsapp zu verklagen, sollte es nicht gegen die Verbreitung unwahrer Nachrichten vorgehen. "Sollte (Whatsapp) stummer Zuschauer bleiben, können sie als Helfershelfer behandelt werden", erklärte das Ministerium für Informationstechnologie.

Das Unternehmen reagierte prompt. Eine weitere geplante Maßnahme für den indischen Markt sei die Einführung eines Limits von fünf Übertragungen pro Nachricht, teilte Whatsapp mit. Auch der Button für schnelles Weiterleiten neben Nachrichten mit Fotos, Videos oder Links soll verschwinden.

Auf Drängen von Indiens Regierungschef Narendra Modi hatte Whatsapp bereits neue Funktionen angekündigt, um weitergeleitete Nachrichten zu erkennen. Außerdem schaltete es Anzeigen in indischen Zeitungen mit Ratschlägen zur Erkennung von Falschinformationen.


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