19.07.2018, 09:53 Uhr

Düsseldorf (AFP) Wohlstand in Deutschland steigt langsamer als die Wirtschaftsleistung

Passanten in Berlin. Quelle: AFP/JOHANNES EISELE (Foto: AFP/JOHANNES EISELE)Passanten in Berlin. Quelle: AFP/JOHANNES EISELE (Foto: AFP/JOHANNES EISELE)

Studie: Wohlstandsniveau auf gleichem Stand wie Mitte der 90er Jahre

Die Ungleichheit in Deutschland bremst einer Studie zufolge die Entwicklung des gesamtgesellschaftlichen Wohlstandes aus. Während das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) zwischen 1991 und 2016 real um rund 40 Prozent gewachsen sei, habe der Wohlstand lediglich um 6,4 Prozent zugenommen, teilte die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung am Donnerstag mit. Zuletzt näherten sich beide Entwicklungen allerdings an: Seit 2013 legte das BIP im Mittel um 1,9 Prozent zu - der gesamtgesellschaftliche Wohlstand stieg um 1,5 Prozent.

Doch trotz dieser Beschleunigung habe sich "das gesamtwirtschaftliche Wohlfahrtsniveau Ende 2016 nur auf dem gleichen Stand wie Mitte der 90er Jahre" befunden, erklärten die Forscher. Für die Studie erstellte das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Stiftung den "Nationalen Wohlfahrtsindex 2018" (NWI).

Dieser basiert auf der Annahme, dass konventionelle Messmethoden für Wirtschaftskraft und Wirtschaftswachstum nur einen Teil der Wirklichkeit abbilden. Deshalb beziehen die Forscher für den NWI 20 Indikatoren mit ein, die von der Wertschöpfung durch Hausarbeit und ehrenamtliche Tätigkeiten bis zum privaten Konsum reichen.

Beim Konsum, den die Wissenschaftler grundsätzlich positiv bewerten, wollen die Forscher mit dem NWI auch die "Schattenseiten" erfassen. Berücksichtigt werden für die Berechnungen auch die Kosten, die etwa bei der Beseitigung vom Umweltschäden entstehen, oder durch Kriminalität und Verkehrsunfälle.

Nach Angaben der Forscher zeigen die Daten zweierlei: Zum einen seien aktuell die Erträge des wirtschaftlichen Wachstums "etwas gerechter verteilt als vor einem oder anderthalb Jahrzehnten", erklärte IMK-Direktor Gustav Horn. Das trage zur Stabilität des gegenwärtigen Aufschwungs bei.

Zum anderen gebe es in Deutschland aber in Sachen sozialer sowie ökologischer Nachhaltigkeit "noch erheblichen Nachholbedarf". Dieses Potenzial gelte es zu nutzen.

Hauptgrund für das relativ schwache Abschneiden bei der langfristigen Wohlfahrtsentwicklung ist nach Angaben der Forscher vor allem "der fortwirkende deutliche Anstieg der Einkommensungleichheit vor allem in den 2000er Jahren". Damals stagnierten die Reallöhne vieler Beschäftigter, während Kapital- und Unternehmenseinkommen stark zunahmen.

In den vergangenen Jahren stiegen dann die Löhne im Durchschnitt wieder spürbar stärker als die Inflation. Da allerdings auch die Kapital- und Vermögenseinkommen kräftig zulegten, ging die Einkommensungleichheit nach Angaben des IMK kaum zurück.


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