19.07.2018, 05:08 Uhr

Washington (AFP) Trump will Putin vor russischer Einmischung in US-Wahlen gewarnt haben

Donald Trump. Quelle: AFP/Nicholas Kamm (Foto: AFP/Nicholas Kamm)Donald Trump. Quelle: AFP/Nicholas Kamm (Foto: AFP/Nicholas Kamm)

US-Demokraten wollen Trump-Übersetzerin zu Vier-Augen-Gespräch mit Putin anhören

US-Präsident Donald Trump reagiert mit weiteren Erklärungsversuchen auf die anhaltende Kritik an seinem Auftritt mit dem russischen Staatschef Wladimir Putin in Helsinki. Er habe Putin bei dem Gipfel wissen lassen, dass die USA eine russische Einmischung in US-Wahlen nicht tolerieren könnten, versicherte Trump am Mittwoch im US-Sender CBS. Die US-Demokraten forderten unterdessen eine Aussage von Trumps Übersetzerin vor dem Kongress zum Vier-Augen-Gespräch Trumps mit Putin.

Er sei Putin gegenüber "sehr deutlich" gewesen, dass "wir keine Einmischung haben können, dass wir nichts dergleichen haben können", sagte Trump bei CBS mit Blick auf eine russische Einmischung in US-Wahlen. Auf die Frage, ob er Putin persönlich für die Einmischung in den US-Präsidentschaftswahlkampf 2016 verantwortlich machen würde, sagte Trump: "Das würde ich, weil er für das Land verantwortlich ist, genau wie ich mich für die Dinge, die in diesem Land geschehen, für verantwortlich halte."

Trumps Auftritt mit Putin bei ihrem bilateralen Gipfel Anfang der Woche in Helsinki sorgt in den USA derzeit parteiübergreifend für Entrüstung: Bei seiner Pressekonferenz mit Putin hatte Trump es vermieden, die nach einhelliger Erkenntnis der US-Geheimdienste von Russland verübten Cyberattacken auf die US-Demokraten während des Wahlkampfs 2016 zu verurteilen. Stattdessen bewertete er Putins Beteuerung, Russland habe nichts mit diesen Hackerangriffen zu tun gehabt, als "extrem stark und kraftvoll".

Trump bemüht sich derzeit, die Empörung über seinen Auftritt in der finnischen Hauptstadt einzudämmen. Zuletzt schob er den Wirbel um seine Aussagen in Helsinki auf einen vermeintlichen Versprecher und bekannte sich zugleich zu den eigenen Geheimdiensten.

Am Mittwoch verwies er bei CBS darauf, dass er bereits "wiederholt" gesagt habe, dass er mit den Erkenntnissen seiner Geheimdienste übereinstimme. Auf die Frage, ob er glaube, dass Putin ihn anlüge, sagte Trump, er wolle nicht darauf eingehen, ob Putin lüge oder nicht.

Bei einer Kabinettssitzung früher am Mittwoch hatte Trump indes auf eine Reporterfrage, ob die mutmaßlichen russischen Hackerangriffe weitergingen, geantwortet: "Nein". Seiner Sprecherin Sarah Sanders zufolge soll sich diese Antwort aber lediglich darauf bezogen haben, ob die Reporter weitere Fragen stellen dürften. Sanders betonte, die von Russland ausgehende "Bedrohung" bestehe weiter.

Auch FBI-Chef Christopher Wray betonte am Mittwoch, die Erkenntnisse der US-Geheimdienste hätten sich nicht geändert. "Russland hat versucht, sich in die letzte Wahl einzumischen und ist bis zum heutigen Tag weiterhin in bösartige Aktivitäten der Einflussnahme involviert", sagte er bei einem Sicherheitsforum in Aspen im US-Bundesstaat Colorado.

Demokratische US-Abgeordnete forderten unterdessen eine Aussage der Übersetzerin Trumps vor dem Kongress zum Vier-Augen-Gespräch des US-Präsidenten mit Putin in Helsinki. Die Übersetzerin und ihre Aufzeichnungen könnten wichtige Informationen über den Inhalt des Gesprächs der beiden Staatschefs liefern, argumentierten verschiedene US-Demokraten am Mittwoch.

Trump und Putin hatten sich bei ihrem Gipfel in Helsinki zwei Stunden lang hinter verschlossenen Türen unterhalten, anwesend waren dabei nur noch die Übersetzer der beiden Staatschefs.

Regierungssprecherin Sanders erklärte, sie habe "keine Kenntnis" von einer möglichen Aufnahme des Gesprächs. Das US-Außenministerium teilte mit, bislang gebe es keinen formellen Antrag, die Übersetzerin anzuhören.

Unmittelbar nach dem Gipfeltreffen Trumps und Putins war überdies die Festnahme der 29-jährigen Russin Maria Butina in Washington bekanntgegeben worden. Butina wird versuchte Infiltration politischer Organisationen in den Vereinigen Staaten vorgeworfen. Sie soll an einer Verschwörung der russischen Regierung zur Beeinflussung der US-Politik beteiligt gewesen sein. Am Mittwoch wurde sie vor Gericht formell beschuldigt, zudem wurde angeordnet, sie weiterhin ohne Kaution festzuhalten.


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