18.07.2018, 13:43 Uhr

Berlin (AFP) Regierung will Deutschland bei Künstlicher Intelligenz an Weltspitze führen

Regierung will Deutschland bei Künstlicher Intelligenz an Weltspitze führen. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Ole Spata (Foto: dpa/AFP/Archiv/Ole Spata)Regierung will Deutschland bei Künstlicher Intelligenz an Weltspitze führen. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Ole Spata (Foto: dpa/AFP/Archiv/Ole Spata)

Kabinett beschließt Eckpunkte für KI-Strategie

Mit einem Maßnahmenbündel will die Bundesregierung Deutschland bei der Künstlichen Intelligenz (KI) an die Weltspitze führen. In einem am Mittwoch vom Kabinett verabschiedeten Eckpunktepapier für eine Strategie für Künstliche Intelligenz ist das Ziel verankert, Deutschland "zum weltweit führenden Standort für KI" zu machen. Während die Grünen "deutlich mehr Entschlossenheit und Tempo" forderten, mahnte der Digital-Branchenverband Bitkom "konkrete Maßnahmen und Gesetzgebungsverfahren" an.

"Künstliche Intelligenz zu entwickeln und zu beherrschen - sei es beim autonomen Fahren, in der Krebsdiagnostik oder bei den Produktionsprozessen der Zukunft - ist eine Schlüsselfrage für Deutschland und Europa", erklärte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU).

Künstliche Intelligenz sei eine "Basis-Innovation, die unsere Wirtschaft und unser Leben insgesamt verändern und verbessern wird". "Deshalb wollen wir, dass Anwendungen von Künstlicher Intelligenz auch nicht irgendwo auf der Welt entwickelt und umgesetzt werden, sondern hier bei uns in Deutschland und Europa."

Dazu will die Bundesregierung die Forschung ausbauen und weitere Kompetenzzentren fördern. So sollen neuen KI-Lehrstühle geschaffen und die Arbeitsbedingungen für Forscher attraktiver werden - auch, um Wissenschaftler aus dem Ausland anzulocken. Der Bundesregierung schwebt auch die Gründung einer Agentur für sogenannte Sprunginnovationen - also besonders weitreichende Hightech-Erneuerungen - vor, die sich mit Künstlicher Intelligenz befassen soll.

Der Wissensaustausch zwischen Wissenschaft und Wirtschaft soll dem Eckpunktepapier zufolge gestärkt werden. Unternehmensgründungen sollen vereinfacht werden, unter anderem durch einen besseren Zugang zu Risikokapital.

Deutschland will auch international kooperieren: So soll mit Frankreich ein deutsch-französisches Forschungs- und Innovationsnetzwerk aufgebaut und auch mit anderen EU-Staaten zusammengearbeitet werden. Altmaier und sein französischer Ministerkollege Bruno Le Maire hatten erst vergangene Woche eine europäische Zusammenarbeit im Bereich Künstliche Intelligenz nach dem Vorbild von Airbus angeregt.

Künstliche Intelligenz ist ein Sammelbegriff für Computersysteme, die in der Lage sind, Probleme eigenständig - also "intelligent" - zu erfassen und zu lösen. Das Feld gilt als einer der zentralen Bereiche für künftige technologische Entwicklungen. Bereits im Koalitionsvertrag haben Union und SPD festgehalten, Deutschland "zu einem weltweit führenden Standort bei der Erforschung von künstlicher Intelligenz" machen zu wollen.

Die nun beschlossenen Eckpunkte für eine KI-Strategie wurden von den Ministerien für Wirtschaft, Forschung und Arbeit vorgelegt. In den kommenden Monaten soll die Strategie Künstliche Intelligenz - im Koalitionsvertrag als "Masterplan" bezeichnet - ausgearbeitet und bei einem Digitalgipfel am 3. und 4. Dezember vorgestellt werden.

Die Grünen mahnten am Mittwoch mehr Einsatz der Bundesregierung an. Es sei "höchste Zeit", dass die Regierung sich an die Erarbeitung der Strategie mache, erklärten, die Grünen-Abgeordneten Anna Christmann und Dieter Janecek. "Damit wir gegenüber Nordamerika und Asien nicht den Anschluss verlieren, sind jedoch deutlich mehr Entschlossenheit und Tempo gefragt."

So habe die große Koalition im neuen Haushalt keine zusätzlichen Gelder für die Erforschung und Entwicklung Künstlicher Intelligenz bereitgestellt. "So verspielt die Große Koalition wertvolle Zeit."

Der Branchenverband Bitkom rief die Regierung auf, den Worten Taten folgen zu lassen: "Die heute vorgestellte Absichtserklärung muss in den kommenden Monaten mit konkreten Maßnahmen und Gesetzgebungsverfahren ausgestaltet werden", erklärte Bitkom-Präsident Achim Berg.


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