16.07.2018, 12:40 Uhr

Helsinki (AFP) Trump hofft bei Gipfel in Helsinki auf "außerordentliche Beziehung" zu Putin

Handschlag in Helsinki. Quelle: AFP/Brendan Smialowski (Foto: AFP/Brendan Smialowski)Handschlag in Helsinki. Quelle: AFP/Brendan Smialowski (Foto: AFP/Brendan Smialowski)

Staatschefs wollen auch über nukleare Abrüstung reden

US-Präsident Donald Trump und Russlands Staatschef Wladimir Putin sind zu ihrem mit Spannung erwarteten Gipfel in Helsinki zusammengekommen. Trump äußerte bei der Begrüßung den Wunsch nach einer "außerordentliche Beziehung" zu Putin, der Kreml-Chef mahnte seinerseits konkrete Ergebnisse der Annäherung an. Kurz vor dem Treffen hatte Trump erklärt, das Verhältnis zu Russland sei so schlecht wie nie zuvor - und dafür sein eigenes Land verantwortlich gemacht.

"Sich gut mit Russland zu verstehen ist eine gute Sache, keine schlechte Sache", sagte Trump. Bei dem Gipfel werde über "alles" gesprochen: Handel, Militär, Raketen, Nuklearwaffen und China. Dabei gehe es beiden Staatschefs auch um die atomare Abrüstung, sagte der US-Präsident.

Putin sagte seinerseits: "Nun ist die Zeit gekommen, konkrete Beratungen zu führen." Die beiden Staatschefs wollten sich zunächst unter vier Augen austauschen, nur die Dolmetscher sollten dabei sei. Später sollten die Delegationen zu Gesprächen bei einem Arbeitsessen hinzugezogen werden. Danach ist eine Pressekonferenz geplant.

Während Trump im Vorfeld des Gipfels kritische Kommentare zu Russland vermied, richtete er schwere Vorwürfe gegen die frühere US-Regierung und die Ermittlungen in seinem Land zur Russland-Affäre: "Unsere Beziehungen mit Russland waren niemals schlechter wegen der vielen Jahre der Torheit und Dummheit der USA", schrieb Trump im Kurzbotschaftendienst Twitter kurz vor der Begegnung mit Putin.

Zudem sei die "Hexenjagd" des US-Sonderermittlers Robert Mueller verantwortlich für die schlechten Beziehungen. Mueller untersucht die mutmaßlichen Einmischungen Moskaus in den US-Präsidentschaftswahlkampf im Jahr 2016.

Aus Moskau erhielt Trump erfreute Zustimmung für seine Schuldzuweisungen in Richtung USA. Das russische Außenministerium twitterte: "Wir sind einverstanden."

Trotz der Signale der Entspannung dürften bei dem Treffen in Helsinki zahlreiche Streitpunkte zwischen Washington und Moskau auf den Tisch kommen. Trump steht zu Hause unter Druck, die mutmaßliche Einmischung Moskaus in die Präsidentschaftswahlkampf mit harten Worten zur Sprache zu bringen. Erst vergangene Woche hatte die US-Justiz zwölf russische Agenten wegen mutmaßlicher Hackerangriffe auf die Demokraten angeklagt.

Ein weiteres zentrales Thema der Unterredung wird nach Angaben des Kreml der Krieg in Syrien sein. Russland ist dort der wichtigste Verbündete von Machthaber Baschar al-Assad. Die USA hatten im April zusammen mit Frankreich und Großbritannien massive Luftangriffe gegen Stellungen der Regierung ausgeführt. Für Konfliktstoff dürften zudem der Krieg in der Ukraine und der Ausstieg der USA aus dem Atomabkommen mit dem Iran sorgen.

Trumps Treffen mit Putin folgt auf Gespräche beim Nato-Gipfel in Brüssel und mit der britischen Regierung in Großbritannien. Trump hatte dabei alte Verbündete seines Landes mit harschen Verbalattacken irritiert. So bezeichnete er die EU in einer Reihe mit Russland und China als "Gegner". Die USA und die EU hatten sich zuletzt gegenseitig mit hohen Strafzöllen belegt.

Auch Trumps Verhältnis zur Nato ist angespannt: Lange hatte der US-Präsident die übrigen Nato-Mitgliedsstaaten attackiert, allen voran Deutschland. Er warf ihnen vor, nicht genug zur Finanzierung der Allianz beizutragen. Am Montag sagte er dann vor dem Treffen mit Putin, die Nato sei "niemals stärker" gewesen als jetzt.

Trotz der Befürchtungen der US-Verbündeten über mögliche Zugeständnisse Trumps an Putin begrüßte die Bundesregierung den Gipfel in Helsinki. "Es ist wichtig, dass der US-Präsident und der russische Präsident miteinander sprechen", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin. Bundeskanzlerin Angela Merkel habe bereits die Hoffnung ausgedrückt, dass es auch um Abrüstungsfragen und Themen der nuklearen Rüstungskontrollen gehen solle.


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