13.07.2018, 16:22 Uhr

Aylesbury (AFP) Trump irritiert britische Gastgeber mit harschem Tadel und überschwänglichem Lob


Washington und London streben umfassendes Freihandelsabkommen nach Brexit an

Mit harscher Kritik und überschwänglichem Lob hat US-Präsident Donald Trump bei seinem Großbritannien-Besuch die Gastgeber irritiert. In einem Interview kritisierte Trump zunächst den Brexit-Kurs von Premierministerin Theresa May und stellte sich an die Seite ihrer innerparteilichen Gegner. Nach einem Treffen mit May sagte er dann, das Verhältnis sei "so stark wie nie zuvor". In London demonstrierten zehntausende Menschen gegen Trumps Besuch.

Trumps Großbritannien-Besuch startete mit einer unverhohlenen Breitseite gegen May. Der Präsident sagte der Boulevardzeitung "The Sun", er hätte den Brexit anders gestaltet als die britische Regierung. "Ich habe Theresa May sogar gesagt, wie sie es machen soll", aber "sie hat nicht auf mich gehört". Mays Pläne für eine weitere enge Anbindung an die EU würden das von ihr angestrebte Handelsabkommen "wahrscheinlich töten".

Wenige Stunden nach seinen heftigen Attacken spielte er dann seine Kritik herunter. Trump und May kündigten nach ihrem Treffen auf dem Landsitz der britischen Regierung in Chequers ein groß angelegtes Freihandelsabkommen nach dem EU-Austritt des Vereinigten Königreichs an.

"Wir sind heute übereingekommen, dass wir ein ambitioniertes Freihandelsabkommen zwischen Großbritannien und den USA anstreben, wenn Großbritannien die Europäische Union verlässt", sagte May.

Bei der gemeinsamen Pressekonferenz am Freitagnachmittag erklärte Trump dann, er habe May gar nicht kritisiert. Wie auch immer die britische Regierung den Ausstieg aus der Europäischen Union gestalte - für ihn sei dies in Ordnung. Hauptsache sei, dass die USA und Großbritannien miteinander Handel betreiben. Nach seinem Gespräch mit May wurde Trump von Königin Elizabeth II. auf Schloss Windsor empfangen.

Mit seinem "Sun"-Interview hatte Trump zunächst klar das Lager der Brexit-Hardliner unterstützt. Trump ging sogar so weit zu sagen, dass der zurückgetretene Außenminister, May-Rivale und Brexit-Hardliner Boris Johnson ein "großartiger Premierminister" wäre. Am Nachmittag lobte Trump dann Mays Führungsstärke und bezeichnete die Premierministerin als "grandiose Frau".

Überdies wollen die USA und Großbritannien entschieden gegenüber Russland auftreten. May sagte, sie sei sich mit Trump einig gewesen, dass ein Dialog mit Moskau aus einer Position der "Stärke und Einigkeit" erfolgen müsse. Trump sagte, seine Regierung sei gegenüber Russland bisher "härter aufgetreten als jeder andere". Der US-Präsident kommt am Montag in Helsinki mit dem russischen Staatschef Wladimir Putin zu einem Gipfeltreffen zusammen.

Zugleich erhob Trump erneut schwere Vorwürfe gegen Deutschland wegen seiner Gasimporte aus Russland. "Es ist furchtbar, was Deutschland macht, es ist ein furchtbarer Fehler", sagte Trump. Während sich sein Land um "Frieden in der Welt" bemühe, zahle Deutschland "Milliarden Dollar in die russischen Kassen", klagte Trump.

Bereits zum Auftakt des Nato-Gipfels am Mittwoch in Brüssel hatte Trump eine Tirade gegen Deutschland wegen der Gasimporte losgelassen. Während des Gipfels warb US-Energieminister Rick Perry in Brüssel für den Import von US-Flüssiggas als Alternative zu neuen Öl-Pipelines.

Sowohl im konservativen Regierungslager als auch bei der oppositionellen Labour-Partei sorgten Trumps Interview-Attacken auf May für Empörung. Konservative Abgeordnete warfen Trump vor, seine Gastgeberin gezielt zu beleidigen. Die Sprecherin der Labour-Partei bezeichnete den US-Präsidenten als "außergewöhnlich unhöflich".

In London demonstrierten am Freitag zehntausende Menschen gegen Trumps Großbritannien-Besuch. "Donald Trump ist nicht willkommen", skandierten die Teilnehmer, die über die Oxford Street zum Trafalgar Square liefen.

Anderswo in London ließen Demonstranten einen riesigen Ballon in Form eines Trump-Babys mit Windeln über der Menge schweben. Der Londoner Bürgermeister Sadiq Khan, der seine Teilnahme an der Demonstration ankündigte, hatte zuvor die Genehmigung dieses satirischen Protests gegen den US-Präsidenten verteidigt.


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