12.07.2018, 12:34 Uhr

Berlin (AFP) Fast jede zweite Altersrente liegt unter 800 Euro

Rentner in Sachsen. Quelle: dpa/AFP/Matthias Hiekel (Foto: dpa/AFP/Matthias Hiekel)Rentner in Sachsen. Quelle: dpa/AFP/Matthias Hiekel (Foto: dpa/AFP/Matthias Hiekel)

Linke und Sozialverband VdK fürchten Altersarmut

Fast jede zweite Altersrente in Deutschland liegt unter 800 Euro. Das geht aus der Regierungsantwort auf eine parlamentarische Anfrage der Linken-Sozialexpertin Sabine Zimmermann hervor. Demnach liegen 48 Prozent der Renten unter 800 Euro und 62 Prozent unter 1000 Euro.

Es gebe dabei aber relativ hohe Anteile an "Kleinstrenten" aufgrund von kurzen Beitragszeiten, hieß es in der Regierungsantwort, die AFP am Donnerstag vorlag. In diesen Fällen spiele diese Rente nur eine geringe Rolle für die Alterssicherung, weil andere Alterseinkommen vorhanden seien. "Entsprechend liefert die Rentenhöhe für sich genommen nur eingeschränkt Hinweise auf die Einkommenssituation im Alter", heißt es in der Regierungsantwort.

Dabei geht es etwa um Menschen, die überwiegend als Beamte oder Selbstständige tätig waren und nur kurzzeitig wegen anderer Beschäftigung in der gesetzlichen Rentenversicherung waren. Von den Renten unter 800 Euro sind 27 Prozent der Männer und 64 Prozent der Frauen betroffen. Die Zahl der Bezieher liegt bei 8,6 Millionen. Die Angaben beziehen sich auf Ende 2016.

Die Linken-Abgeordnete Zimmermann sagte, die Zahlen würden zeigen, dass schon heute ein großer Teil der Rentner gesetzliche Rentenbezüge unterhalb der Armutsgefährdungsschwelle und sogar unter der Grundsicherungsschwelle erhalte. Das wäre auch dann noch der Fall, wenn man Kleinstrenten für kurze Versicherungszeiten herausrechnen würde. "Mit Blick auf die Zukunft sind diese Werte besorgniserregend", erklärte die Linken-Politikerin.

Linken-Chef Bernd Riexinger bezeichnete den Verweis der Regierung auf zusätzliche Einnahmen als "Zynismus". Die gesetzliche Rente müsse vor Armut schützen und den Lebensstandard sichern, erklärte er. "Es ist skandalös wenn Menschen im Alter bei Hamburger-Ketten arbeiten oder Zeitungen austragen müssen, weil die Rente hinten und vorne nicht reicht."

"Wir müssen alles dafür tun, dass sich Arbeiten lohnt. Damit es am Ende mehr als 800 Euro sind", erklärte auch die stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Katja Mast. Dazu gehörten die Vorhaben wie die Brückenteilzeit, eine höhere Tarifbindung und Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Mit der Union sei zwar einiges möglich, vieles aber auch nicht - wie etwa die Abschaffung sachgrundloser Befristungen.

Besorgt äußerte sich auch die Präsidentin des Sozialverbands VdK Deutschland, Verena Bentele. Die Zahlen seien ein Hinweis darauf, "dass für viele Menschen Altersarmut heute Alltag" sei. "8,6 Millionen Menschen müssen mit einer Rente auskommen, die unter der Grundsicherungsschwelle von 814 Euro liegt."

Das Vertrauen in die gesetzliche Rentenversicherung müsse wieder gestärkt werden, forderte Bentele. "Wichtig ist, dass das Rentenniveau auf 50 Prozent angehoben wird und die Renten wieder ohne Abstriche den Löhnen folgen. Sonst erreichen immer weniger Menschen nach jahrzehntelanger Arbeit eine auskömmliche Alterssicherung."


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