08.07.2018, 11:35 Uhr

Mae Sai (AFP) Gefährlicher Rettungseinsatz für Jungen in thailändischer Höhle angelaufen


Zeit drängt wegen steigenden Wasserspiegels und sinkenden Sauerstoffgehalts

Thailand hält den Atem an: "Heute ist der Tag X", der Rettungseinsatz für die in einer Höhle eingeschlossenen Jungen habe begonnen, sagte Einsatzleiter Narongsak Osottanakorn am Sonntag. Die elf bis 16 Jahre alten Fußballer und ihr Trainer sollen binnen zwei bis drei Tagen einzeln durch schlammiges Wasser aus der kilometerlangen Höhle hinaustauchen. Wegen des steigenden Wasserspiegels und sinkenden Sauerstoffgehalts drängt die Zeit.

Die Jungen seien "bereit für jede Herausforderung", versicherte Einsatzleiter Narongsak, als er den Beginn des extrem risikoreichen Rettungseinsatzes verkündete. Zuvor hatte der Gouverneur der Provinz Chiang Rai mit Blick auf den Wasserstand, das Wetter und die Gesundheit der Jungen gesagt, die Bedingungen für einen Rettungsversuch seien derzeit "perfekt".

"Es gibt keinen anderen Tag, an dem wir bereiter als heute sind", führte Narongsak aus. Wenn der Rettungseinsatz jetzt nicht anlaufe, würden die Fußballer und die Rettungskräfte "die Gelegenheit verpassen".

Für Sonntagabend wurden weitere Monsunregen vorhergesagt, die den Wasserspiegel in der überfluteten Tham-Luang-Höhle weiter ansteigen lassen dürften. Überdies hatten die Einsatzkräfte am Freitag einen sinkenden Sauerstoffgehalt in der Höhlenkammer festgestellt, in die sich die Fußballmannschaft geflüchtet hatte.

Ein Vertreter der Marine erläuterte am Sonntag, die Fußballer sollten "einer nach dem anderen" aus der überschwemmten Höhle hinaus gebracht werden. Dies werde je nach Wetterlage insgesamt zwei bis drei Tage dauern. Von zehn Tauchern, die sich am Sonntag auf den Weg zu den Fußballern machten, trafen einige bereits dort ein.

Die Taucher sollten gemeinsam mit dem medizinischen Personal entscheiden, welcher Junge als erster zu dem rund sechsstündigen Weg ins Freie aufbrechen sollte. Dieser solle dann gegen 21.00 Uhr Ortszeit (16.00 Uhr MESZ) ans Tageslicht gelangen, sagte Einsatzleiter Narongsak. Die Jungen und ihr Trainer, die in den vergangenen Tagen mit den Grundregeln des Tauchens vertraut gemacht wurden, werden demnach von jeweils zwei Tauchern begleitet.

Der Tauchgang durch weit verzweigte Höhle ist schon für Profis kräftezehrend. Die Jungen, von denen einige nicht einmal schwimmen können, sollen ihn innerhalb von etwa sechs Stunden schaffen. Da sie in dem schlammigen Wasser praktisch nichts sehen, wurden Taue befestigt, an denen sie sich nach draußen ziehen sollen. Wie gefährlich das Unterfangen ist, hatte am Freitag der Tod eines erfahrenen thailändischen Tauchers gezeigt, der auf dem Weg aus der Höhle wegen Sauerstoffmangels gestorben war.

In Vorbereitung auf den Rettungseinsatz hatten die Rettungskräfte am Sonntag die Evakuierung des Geländes im Eingangsbereich der Höhle angeordnet. Die dort versammelten Journalisten aus aller Welt mussten das Gebiet verlassen.

Die Fußballmannschaft war am 23. Juni in die Höhle gegangen und von steigenden Wassermassen überrascht worden. Neun Tage später wurde sie von Tauchern gefunden und mit Lebensmitteln versorgt.

Zunächst hatten die Einsatzkräfte versucht, einen alternativen Höhlenausgang für die Rettung zu finden. Außerdem zogen sie die Möglichkeit in Betracht, dass die Rettung erst in ein paar Monaten erfolgt, wenn nach dem Ende der Monsunzeit das Wasser aus der Höhle abläuft. Der steigende Wasserspiegel und der gleichzeitig fallende Sauerstoffgehalt in der Höhle zwangen sie aber nun zum Handeln.

Am Samstag veröffentlichte die Marine Botschaften der Fußballer, in denen sie ihre Angehörigen zu beruhigen versuchten. Pheerapat, Spitzname ""Night", dessen 16. Geburtstag die Jungen in der Höhle gefeiert hatten, schrieb: "Ich liebe Euch, Papa, Mama und meine Schwester. Ihr müsst Euch nicht um mich sorgen."

Trainer Ekkapol Chantawong, der für den Höhlenausflug Kritik geerntet hatte, bedauerte die folgenschwere Entscheidung: "Danke für all die moralische Unterstützung und ich entschuldige mich bei den Eltern", schrieb der 25-Jährige. "Ich verspreche, dass ich bestens auf die Kinder Acht geben werde."


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