06.07.2018, 11:32 Uhr

Berlin (AFP) Umfrage: Deutsche für besseren Meeresschutz und gegen Genpflanzen

Auch am Ostseestrand wird viel Müll angespült. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Bernd Wüstneck (Foto: dpa/AFP/Archiv/Bernd Wüstneck)Auch am Ostseestrand wird viel Müll angespült. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Bernd Wüstneck (Foto: dpa/AFP/Archiv/Bernd Wüstneck)

Umweltministerin fordert bundesweite Regelung zum Verbot von Genpflanzen

Die große Mehrheit der Deutschen befürwortet einen besseren Meeresschutz und ein Verbot der Gentechnik in der Landwirtschaft. Das geht aus der neuen Naturbewusstseinsstudie hervor, die das Bundesumweltministerium und das Bundesamt für Naturschutz (BfN) am Freitag in Berlin vorstellten. Viele Menschen sehen die Vermüllung der Meere durch Plastik demnach als große Gefahr für den Naturschutz. Neun von zehn Befragten sind für die Einrichtung von Naturschutzgebieten in Nord- und Ostsee.

Zudem sprechen sich 83 Prozent der Befragten für strengere Regeln und Gesetze aus, damit die Fischerei mehr für den Naturschutz tut, selbst wenn dadurch die Fischpreise steigen. 90 Prozent befürworten die Kennzeichnung von Fischprodukten aus naturschonender Fischerei.

In der Umfrage unter 2000 Bundesbürgern sprachen sich zudem 79 Prozent für ein Verbot von Gentechnik in der Landwirtschaft aus. 93 Prozent der Befragten sind dafür, Lebensmittel von Tieren, die mit gentechnisch veränderter Nahrung gefüttert werden, im Handel zu kennzeichnen.

Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) zufolge bestätigt die Umfrage die Notwendigkeit, weltweit überflüssiges Plastik zu vermeiden und den Rest im Kreislauf zu halten und zu recyceln. Auch die Bedenken der Bürger gegenüber der Gentechnik "nehme ich sehr ernst", erklärte Schulze. "Wir brauchen endlich bundesweit einheitliche Regelungen, um den Anbau von Genpflanzen zu verbieten."

BfN-Präsidentin Beate Jessel wertete die Umfrageergebnisse als "starke Signale, dass wir uns für den Schutz und die nachhaltige Nutzung der Meere einsetzen sollen". Zudem gebe es in der deutschen Bevölkerung einen großen Rückhalt für stringentere Regelungen hin zu einer nachhaltigen Fischerei.

Seit 2009 werden die Deutschen für die Naturbewusstseinsstudie alle zwei Jahre zu Einstellungen zur Natur und biologischen Vielfalt befragt. Die aktuelle, mittlerweile fünfte Befragung wurde Ende 2017 vorgenommen.

Die Naturschutzorganisation WWF erklärte zu der Umfrage, die Bürger überholten beim Meeresschutz "mit ihrer Einstellung die Politik". Die Bundesregierung solle "die Ergebnisse ihrer eigenen Umfrage ernst nehmen" und sich für einen "internationalen Pakt gegen die Plastikflut" einsetzen.

Hier könne Deutschland "als inspirierendes Beispiel vorangehen und mit einem Maßnahmenplan zeigen, dass eine schnelle Halbierung der Einträge von Plastikmüll und Mikroplastik ins Meer möglich ist", erklärte der WWF.

Steffi Lemke, Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion für Naturschutzpolitik, kritisierte, "die positive Stimmung für den Umwelt- und Meeresschutz in Deutschland" finde "im Handeln der Bundesregierung leider keine Entsprechung". Auch in deutschen Meeresschutzgebieten finde "immer noch naturzerstörerische Fischerei statt". Diese müsse "endlich ein Ende haben".


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