04.07.2018, 11:10 Uhr

Paris (AFP) Opel-Eigentümer prüft offenbar Verkauf von Teilen des Entwicklungszentrums

Opel-Logo. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Frank Rumpenhorst (Foto: dpa/AFP/Archiv/Frank Rumpenhorst)Opel-Logo. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Frank Rumpenhorst (Foto: dpa/AFP/Archiv/Frank Rumpenhorst)

Betriebsrat reagiert erbost und kündigt heftigen Widerstand an

Der französische Opel-Eigentümer PSA erwägt offenbar, Teile des Opel-Entwicklungszentrums in Rüsselsheim zu verkaufen. Opel-Chef Michael Lohscheller erklärte am Mittwoch, das Unternehmen prüfe unterschiedliche Optionen, wie "eine nachhaltige und erfolgreiche Aufstellung im Entwicklungszentrum" erreicht werden könne. Entscheidungen seien noch nicht getroffen worden. Der Betriebsrat reagierte erbost und kündigte heftigen Widerstand an.

Die französische Zeitung "Le Monde" hatte am Dienstagabend unter Berufung auf ein auf Mitte Mai datiertes internes Dokument berichtet, PSA und Opel prüften einen Verkauf von Teilen des Forschungs- und Entwicklungszentrums (ITEZ) und hätten deshalb bereits bei Dienstleistern wie Altran, Akka und Segula in Frankreich und Bertrandt in Deutschland vorgefühlt. Demnach könnte der Verkauf des ITEZ mit 7700 Mitarbeitern Ende des Jahres über die Bühne gehen und einen Wert von 500 Millionen Euro erreichen.

Betroffen seien Bereiche wie die Antriebsentwicklung oder das Testzentrum mit insgesamt knapp 4000 Mitarbeitern, berichtete "Le Monde" unter Verweis auf das interne Papier. Die Zeitung zitierte aber auch eine "der PSA-Führung nahestehende Quelle", wonach nur ein Viertel der ITEZ-Mitarbeiter betroffen sei.

Lohscheller betonte am Mittwoch, es stehe noch nicht fest, "welche Optionen tragfähige Lösungen sein könnten". Selbstverständlich würden "unsere Sozialpartner in den Prozess eingebunden". Die Geschäftsführung habe mit der IG Metall und dem Gesamtbetriebsrat "regelmäßig und bereits seit Dezember 2017" besprochen, dass sie strategische Partnerschaften in Forschung und Entwicklung prüfe, "um langfristig Beschäftigung im ITEZ zu sichern".

Der Gesamtbetriebsrat erklärte, die Arbeitnehmervertretung werde einen Verkauf und damit einen "Angriff auf das Herz der Marke Opel und die Beschäftigung im ITEZ nicht kampflos hinnehmen". Für Donnerstag sei eine Betriebsversammlung einberufen, zu der auch Lohscheller eingeladen sei.

Das Management habe gegenüber dem Betriebsrat konkrete Verkaufsabsichten für Teile des Entwicklungszentrums und konkrete Verkaufsangebote verneint, betonten die Arbeitnehmervertreter. Dies sei auch Basis für den kürzlich vereinbarten Abbau von 3700 Stellen gewesen. Sollten sich die Medienberichte bewahrheiten, hätten PSA und das Opel-Management "wissentlich die Unwahrheit gesagt".

Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer vom CAR-Institut an der Universität Duisburg-Essen sagte, die "Beteuerungen" von PSA-Chef Carlos Tavares, Opel bleibe ein eigenständiger Autobauer, der für deutsches Engineering stehe, "scheinen wenig ehrlich und ernst gewesen zu sein". Tavares habe sich vielmehr den Absatz von 1,2 Millionen Neuwagen gekauft. Opel entwickle sich zu einer Art Verkaufsabteilung mit angeschlossener Produktion und Mini-Entwicklung. Die Gefahr bestehe, dass längerfristig nur die Verkaufsabteilung übrig bleibe. "Den Rest macht Frankreich."

Opel schreibt seit Jahren Verluste. Deshalb hatte die französische PSA-Gruppe, die Opel im Sommer 2017 für 1,3 Milliarden Euro von dem US-Hersteller General Motors (GM) übernommen hatte, dem Autobauer und seiner britischen Schwestermarke Vauxhall ein Sparprogramm verordnet. Damit soll der Autobauer bis 2020 wieder profitabel werden.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte PSA erst im April aufgefordert, Zusagen hinsichtlich der Arbeitsplätze einzuhalten. Ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums bekräftigte am Mittwoch, es sei das Interesse der Regierung, Arbeitsplätze in Deutschland zu halten.

Der Vize-Fraktionschef der Linken im Bundestag, Fabio De Masi, forderte, Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) sollte zügig Gespräche mit PSA führen, um die Öffentlichkeit hinsichtlich der Pläne am Standort Rüsselsheim aufzuklären. Er müsse auch gegenüber der französischen Regierung darauf zu dringen, dass der vereinbarte Kündigungsschutz für die Beschäftigten in jedwedem Szenario eingehalten wird.


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