03.07.2018, 10:16 Uhr

Tripolis (AFP) Libysche Marine meldet 63 Vermisste nach Untergang von Flüchtlingsboot

Flüchtlinge an der libyschen Küste. Quelle: AFP/Archiv/Mahmud TURKIA (Foto: AFP/Archiv/Mahmud TURKIA)Flüchtlinge an der libyschen Küste. Quelle: AFP/Archiv/Mahmud TURKIA (Foto: AFP/Archiv/Mahmud TURKIA)

IOM: "Alarmierender Anstieg der Todesfälle vor libyscher Küste"

Während in Europa weiter heftig über den Umgang mit Flüchtlingen diskutiert wird, spielen sich vor der Küste Libyens weiterhin Tragödien ab. Es sei zu befürchten, dass 63 Menschen ertranken, nachdem ihr Schlauchboot kenterte, sagte der Sprecher der libyschen Marine, General Ajub Kacem, der Nachrichtenagentur AFP in der Nacht zum Dienstag. An Bord des gesunkenen Bootes befanden sich demnach 104 Menschen. 41 von ihnen konnten gerettet werden.

Der Marinesprecher berief sich auf die Berichte der Überlebenden. Das Unglück ereignete sich bei Garaboulli rund 50 Kilometer östlich von Tripolis. Von dort stachen in den vergangenen Monaten immer wieder überladene, oftmals nicht seetaugliche Flüchtlingsboote in See, um das Mittelmeer in Richtung Italien zu überqueren.

Nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) sind in diesem Jahr im Mittelmeer bereits mindestens tausend Menschen ums Leben gekommen. "Es gibt einen alarmierenden Anstieg der Todesfälle vor der libyschen Küste", erklärte der Leiter der IOM-Mission in Libyen, Othman Belbeisi. Libyen ist Hauptdurchgangsland für Flüchtlinge aus afrikanischen Ländern, die auf dem Seeweg in die EU gelangen wollen. Die Schleuser würden die Angst der Menschen ausnutzen, dass Europa demnächst "eine härtere Gangart bei Mittelmeerüberquerungen einlegt", sagte Belbeisi.

Unterdessen hinderten die Behörden in Malta das deutsche Rettungsschiff "Sea Watch 3" am Auslaufen. "Während wir daran gehindert werden, den Hafen zu verlassen, ertrinken Menschen, das ist absolut inakzeptabel", erklärte die Kapitänin Pia Klemp von der Nichtregierungsorganisation Sea-Watch.

Der Kapitän des Schiffes "Lifeline", das vergangene Woche in Malta beschlagnahmt worden war, steht in Malta vor Gericht. Die Behörden werfen dem 57-jährigen Claus-Peter Reisch vor, sich bei der Rettung von Flüchtlingen im Mittelmeer behördlichen Anweisungen widersetzt und gegen internationales Recht verstoßen zu haben. Gegen Zahlung einer Kaution von 10.000 Euro ist er auf freiem Fuß.

Die maltesische Regierung solle "die Behinderung von Rettungskräften" einstellen, da Menschenleben akut gefährdet seien, kritisierte die Kapitänin der "Sea Watch 3". Jeder weitere Tod auf See gehe auf das Konto derjenigen, welche die Rettung verhinderten. Im Moment gebe es im Einsatzgebiet keine geeigneten Schiffe mehr.

Die italienische Regierung entschied am Montag, der libyschen Küstenwache zwölf Schnellbote im Wert von 2,5 Millionen Euro zur Verfügung zu stellen, um sie bei der Suche nach Flüchtlingsbooten im Mittelmeer zu unterstützen. Es gehe darum, "gegen Menschenhandel vorzugehen, Menschenleben auf See zu retten und den Migrationsdruck zu senken", erklärte die Regierung in Rom.


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