03.07.2018, 13:51 Uhr

Düsseldorf (AFP) Industrie fordert von Bundesregierung neue Rohstoffstrategie

Blick auf die Erde vom Weltall aus. Quelle: NASA/AFP/Archiv/ (Foto: NASA/AFP/Archiv/)Blick auf die Erde vom Weltall aus. Quelle: NASA/AFP/Archiv/ (Foto: NASA/AFP/Archiv/)

BDI für Pilotprojekte zur Rohstoffförderung auch in Weltraum und Tiefsee

Die Verfügbarkeit von Rohstoffen für High-Tech-Produkte wird nach Einschätzung der deutschen Industrie künftig zu einer zentralen Herausforderung. Nötig sei "ein "Paradigmenwechsel", der neben einer Stärkung der Kreislaufwirtschaft und internationalen Zusammenarbeit auch Pilotprojekte zum Tiefsee- und Weltraumbergbau vorsieht, erklärte der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) am Dienstag. Der Bundeswirtschaftsminister müsse zudem zum "Rohstoffbeauftragten" der Bundesregierung werden.

Nur mit High-Tech-Rohstoffen werde es Zukunftstechnologien "Made in Germany" geben, erklärte BDI-Präsident Dieter Kempf. Die Nachfrage nach Kobalt, Lithium, Nickel, Kupfer, Graphit oder Seltenen Erden, aber auch nach heimischen Rohstoffen wie Kies oder Sand wachse immer stärker. Von vielen Rohstoffen sei Deutschland komplett importabhängig. Damit steige zugleich die Abhängigkeit von rohstoffreichen Ländern - auch solchen, die europäische Standards etwa beim Umweltschutz nicht erfüllten.

"Die deutsche Industrie bekennt sich zu höchsten Sozial-, Umwelt- und Menschenrechtsstandards - auch in der Rohstoffförderung", bekräftigte der BDI-Präsident. Allerdings seien die Anbieter am längeren Hebel: "Förderländer und Mienen können sich ihre Kunden aussuchen und nicht umgekehrt."

Der BDI fordert deshalb, dass die Rohstoffsicherung mehr politische Aufmerksamkeit erhält. Der Bundeswirtschaftsminister solle künftig "Rohstoffbeauftragter" der Bundesregierung werden und maßgeblich für die Rohstoffstrategie verantwortlich sein.

Diese Forderung hatte zu Beginn des Jahres bereits der Wirtschaftsverband der deutschen Kautschukindustrie (wdk) erhoben, nachdem die EU-Kommission im Herbst 2017 mit Naturkautschuk erstmals auch einen organischen Rohstoff in die Liste kritischer Rohstoffe für die EU aufgenommen hatte.

Der BDI spricht sich nun dafür aus, zusätzlich auch die heimische Rohstoffgewinnung zu stärken. Diese könnten in vielen Bereich den Bedarf nachhaltig decken. Außerdem sollen vor allem Rohstoffe für Zukunftstechnologien besser recycelt werden.

Außerdem wirbt der BDI für neue Möglichkeiten der Rohstoffförderung. "Die Bundesregierung sollte innovative Verfahren, wie zum Beispiel den Tiefsee- oder Weltraumbergbau, unterstützen, indem sie Pilotprojekte gezielt fördert", forderte der Verband.

Umwelt- und Entwicklungsorganisationen forderten indes eine erhebliche Verringerung des deutschen Rohstoffverbrauchs. Nötig sei eine "grundlegende Änderung unserer Konsum- und Produktionsmuster", forderte Johanna Sydow von Germanwatch. Statt einer "Ausweitung des Bergbaus auf die Tiefsee oder den Weltraum" müsse dies das beherrschende Thema des tagenden BDI-Rohstoffkongresses sein.

Die in Deutschland verwendeten Rohstoffe würden "in vielen Fällen unter verheerenden sozialen, menschenrechtlichen und ökologischen Bedingungen" abgebaut, kritisierte Klaus Schilder vom katholischen Hilfswerk Misereor. In Deutschland ansässige Unternehmen müssten gesetzlich dazu verpflichtet werden, "Verantwortung für ihre Rohstofflieferketten zu übernehmen".

Germanwatch erklärte, dass der Ressourcenverbrauch in Deutschland um mehr als zwei Drittel zurückgehen müsse, um ein "global gerechtes Maß zu erreichen".


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