02.07.2018, 10:02 Uhr

Berlin (AFP) AOK-Studie: 58 Prozent der Eltern sind übergewichtig oder fettleibig

Kinder bewegen sich zu wenig. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Uwe Anspach (Foto: dpa/AFP/Archiv/Uwe Anspach)Kinder bewegen sich zu wenig. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Uwe Anspach (Foto: dpa/AFP/Archiv/Uwe Anspach)

Familien in Deutschland bewegen sich zu wenig

In Deutschland sind weit mehr als die Hälfte der Eltern zu dick. 36 Prozent der Väter und Mütter sind übergewichtig und 22 sogar fettleibig, wie eine am Montag in Berlin veröffentlichte Umfrage der AOK zeigt. Bei den Vätern fallen sogar 72 Prozent in eine der beiden Kategorien, bei den Müttern ist es immerhin die Hälfte.

Das Iges-Institut befragte im Auftrag der Krankenkasse rund 5000 Erziehungsberechtigte. Den Experten zufolge neigen Befragte generell dazu, ihr Gewicht zu unterschätzen, weshalb der Anteil dicker Eltern sogar noch höher liegen könnte.

Die auffälligen Werte könnten auch daran liegen, dass Bewegung in vielen Familien zu kurz kommt. Für jede dritte Familie spielen demnach körperliche Aktivitäten in der Freizeit überhaupt keine Rolle. Nur 28 Prozent der Eltern finden überhaupt Zeit für Sport und Fitness, wie die Umfrage im Rahmen der "Familienstudie 2018" zeigt.

Viele Eltern sehen sich selbst massivem Stress ausgesetzt. Zwar sank die zeitliche Belastung seit der vorangegangenen Studie im Jahr 2014 um sechs Prozent, nach wie vor empfinden aber 40 Prozent der Befragten den zeitlichen Stress als größte Belastung. Zudem hätten partnerschaftliche Probleme zugenommen. Mittlerweile sei jeder Fünfte davon betroffen.

AOK-Vizechef Jens Martin Hoyer wertete die Ergebnisse als "ein klares Alarmsignal". Eltern kämen ihrer Vorbildfunktion beim Thema Bewegung nicht ausreichend nach.

Nach Angaben von Jutta Mata von der Universität Mannheim, die die Studie wissenschaftlich begleitete, sind zudem nur zehn Prozent der Kinder körperlich so aktiv wie von der Weltgesundheitsorganisation empfohlen. Ein Grund dafür sei der zunehmende Medienkonsum. Familien sollten Bewegung häufiger in regelmäßige alltägliche Tätigkeiten einbinden, forderte Mata.

Wie die Studie weiter zeigt, kann die kommunale Infrastruktur dazu beitragen, dass Familien bewegungsfreudiger werden. Je mehr sichere und nutzerfreundliche Radwege es beispielsweise gibt, desto häufiger schwingen sich Familien gemeinsam in den Sattel. Bei Spielplätzen, Parks, Sportstätten und Radwegen wünschen sich mehr als 80 Prozent der Eltern Verbesserungen.


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