28.06.2018, 14:13 Uhr

Paris (AFP) Vorwurf der IS-Finanzierung - Justiz erhöht Druck auf Lafarge

Finanzierung der IS-Miliz? Justiz ermittelt gegen Lafarge. Quelle: AFP/Archiv/FRANCK FIFE (Foto: AFP/Archiv/FRANCK FIFE)Finanzierung der IS-Miliz? Justiz ermittelt gegen Lafarge. Quelle: AFP/Archiv/FRANCK FIFE (Foto: AFP/Archiv/FRANCK FIFE)

Verfahren gegen Zementhersteller in Frankreich eröffnet

Die französische Justiz erhöht den Druck auf den Zementhersteller Lafarge: Wegen des Verdachts auf Finanzierung syrischer Extremisten leitete sie am Donnerstag ein Ermittlungsverfahren gegen den international tätigen Konzern ein, wie die Nachrichtenagentur AFP von Seiten der Ermittler erfuhr. Zwei Nichtregierungsorganisationen sprachen von einer "historischen Entscheidung". Lafarge räumte Fehler ein, sucht aber auch Rechtsbeistand.

Die Vorwürfe lauten auf "Finanzierung terroristischer Aktivitäten", "Beihilfe zu Verbrechen gegen die Menschlichkeit" und "Gefährdung des Lebens anderer". Der Konzern soll Schutzgelder unter anderem an die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) gezahlt haben, damit ein Zementwerk in Dschalabija rund 150 Kilometer nordöstlich von Aleppo trotz des Syrien-Krieges in Betrieb bleiben konnte.

Zudem soll er den Extremisten Öl abgekauft und damit gegen EU-Sanktionen verstoßen haben. Insgesamt sollen zwischen 2011 und 2015 rund zwölf Millionen Euro geflossen sein.

Die Klage gegen Lafarge wurde von zwei Nichtregierungsorganisationen ins Rollen gebracht, der französischen Sherpa und dem in Berlin ansässigen European Center for Constitutional and Human Rights (ECCHR). Sie sprachen von einem einzigartigen Vorgang und einem "Meilenstein im Kampf gegen die Straflosigkeit von Unternehmen, die Geschäfte in Kriegs- und Konfliktregionen treiben".

Lafarge betonte, die Vorwürfe der Justiz seien teils nicht gerechtfertigt. Deshalb werde sich der Konzern juristisch zur Wehr setzen. Zugleich räumte das Unternehmen Fehler ein. Das interne Kontrollsystem habe es "nicht erlaubt, Versäumnisse zu identifizieren, die durch einen beispiellosen Regelbruch" entstanden seien, hieß es. Dafür seien aber Einzelne verantwortlich, die das Unternehmen bereits verlassen hätten.

Darunter sind der frühere Chef von Lafarge in Frankreich, Bruno Lafont, sowie Eric Olsen, Chef der 2015 entstandenen Lafarge-Holcim-Gruppe mit Sitzen in der Schweiz und in Frankreich. Diese gehört zu den größten Baustoffkonzernen der Welt. Gegen Lafont und andere Manager laufen bereits Ermittlungsverfahren in Frankreich.

Chef von Lafarge-Holcim ist seit September der Deutsche Jan Jenisch. Er will den Konzern auch aus den roten Zahlen bringen. Lafarge-Holcim hatte im vergangenen Jahr einen Verlust von rund 1,4 Milliarden Euro geschrieben.


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