27.06.2018, 09:14 Uhr

Dresden (AFP) Flüchtlingsschiff "Lifeline" wartet noch auf Genehmigung zum Anlegen in Malta

Die 'Lifeline" hat 234 Flüchtlinge an Bord. Quelle: Mission Lifeline/AFP/Hermine POSCHMANN (Foto: Mission Lifeline/AFP/Hermine POSCHMANN)Die 'Lifeline" hat 234 Flüchtlinge an Bord. Quelle: Mission Lifeline/AFP/Hermine POSCHMANN (Foto: Mission Lifeline/AFP/Hermine POSCHMANN)

Kapitän darf Schiff aber "zum Windschutz" vor Küste in Sicherheit bringen

Das seit Tagen im Mittelmeer ausharrende Flüchtlingsschiff "Lifeline" wartet immer noch auf die Genehmigung, in Malta anlegen zu dürfen. Nach einem dramatischen Appell des Kapitäns darf das Schiff nun aber zumindest in die Hoheitsgewässer des Inselstaats einfahren, um dort "Windschutz zu suchen", wie die Hilfsorganisation Mission Lifeline aus Dresden am Mittwoch im Kurzbotschaftendienst Twitter mitteilte. Die maltesische Seenotrettungsleitstelle gab dem Schiff demnach eine Position vor der Küste durch.

Der Kapitän Claus-Peter Reisch hatte die maltesischen Behörden nach Angaben von Mission Lifeline am späten Dienstagabend darum gebeten, "wenigstens" in maltesische Gewässer einfahren zu dürfen, um das Schiff und die mehr als 230 Flüchtlinge an Bord vor den hohen Wellen und dem starken Wind zu schützen.

In einer auf Englisch verfassten E-Mail, welche die Organisation bei Twitter verbreitete, bat er um die Erlaubnis, das Schiff "angesichts der meteorologischen Bedingungen" in maltesischen Gewässern "in Sicherheit bringen" zu dürfen. Die "Lifeline" habe schon jetzt viele Seekranke an Bord, erklärte der Kapitän. Drei Menschen müssten bereits im Bordkrankenhaus behandelt werden.

Das Schiff hatte die Flüchtlinge am Donnerstag vergangener Woche nahe der libyschen Küste aufgenommen. Malta und Italien verweigerten der "Lifeline" jedoch das Anlaufen eines Hafens. Das Schiff wartet deshalb seit Tagen in internationalen Gewässern vor der Küste der Mittelmeerinsel.

Am Dienstag hatte es dann so ausgesehen, als sei für die "Lifeline" eine Lösung in Sicht. Nach der italienischen Regierung signalisierte auch der französische Präsident Emmanuel Macron, dass eine Einigung mit Malta gefunden worden sei. Demnach kann das Schiff einen maltesischen Hafen anlaufen, wenn sich genügend Länder bereit erklären, Flüchtlinge von Bord des Schiffes aufzunehmen.

Neben Italien und Frankreich erklärten sich italienischen Medienberichten zufolge auch Portugal und Spanien bereit, Flüchtlinge aufzunehmen. In Deutschland signalisierten Schleswig-Holstein und Berlin Bereitschaft. Die Bundesregierung hat sich bisher nicht geäußert.

Mission Lifeline warf Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) vor, vor dem Hintergrund des Asylstreits in der Union eine "Lösung zu blockieren". Wenn die Lage an Bord angesichts des schlechten Wetters und der Erschöpfung vieler Flüchtlinge eskaliere, trage Seehofer allein die Verantwortung, erklärte Lifeline-Mitgründer Axel Steier in einer Stellungnahme. Die Bundesregierung mache sich unterlassener Hilfeleistung schuldig.


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