25.06.2018, 16:45 Uhr

Berlin (AFP) Arrest nach Gürtel-Angriff auf Männer mit Kippas in Berlin

Der Angriff auf Männer mit Kippas löste eine Debatte über Antisemitismus aus. Quelle: dpa/AFP/Paul Zinken (Foto: dpa/AFP/Paul Zinken)Der Angriff auf Männer mit Kippas löste eine Debatte über Antisemitismus aus. Quelle: dpa/AFP/Paul Zinken (Foto: dpa/AFP/Paul Zinken)

19-jähriger Angeklagter der Beleidigung und Körperverletzung schuldig

Mehr als zwei Monate nach dem Gürtel-Angriff auf zwei Kippa tragende Männer in Berlin ist der Angeklagte zu einem Arrest von vier Wochen nach Jugendstrafrecht verurteilt worden. Das Amtsgericht Tiergarten sprach den 19-Jährigen am Montag der Beleidigung und Körperverletzung schuldig. Die Strafe gilt aufgrund der Untersuchungshaft bereits als verbüßt. Der Angeklagte sollte noch am Montagabend auf freien Fuß kommen.

Das Gericht folgte damit weitgehend der Forderung der Staatsanwaltschaft, die vier Wochen Arrest und zudem Freizeitarbeit gefordert hatten. Das Geld davon sollte an die Opfer gehen.

Der angeklagte Syrer hatte zugegeben, Mitte April im Stadtteil Prenzlauer Berg einen arabischen Israeli und einen Deutschmarokkaner, beleidigt und einen davon mit seinem Gürtel geschlagen zu haben. Beide trugen Kippas. Der 21-jährige Israeli, der nach eigenen Angaben kein Jude ist, wurde dabei leicht verletzt. Den Antisemitismusvorwurf wies der Angeklagte entschieden zurück.

Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, begrüßte den Richterspruch. "Das Urteil zeigt: Wer sich antisemitisch betätigt oder äußert, steht außerhalb der Gesellschaft und muss mit den Konsequenzen des Rechtsstaats rechnen", sagte Klein der Nachrichtenagentur AFP.

Auch der Zentralrat der Juden begrüßte, "dass der Täter ganz klar wegen gefährlicher Körperverletzung und Beleidigung schuldig gesprochen wurde". Es zeige sich aber auch, "dass wir mit dem Strafrecht alleine das Antisemitismusproblem nicht in den Griff bekommen werden, sondern in der Schulbildung und bei der Integration der Migranten sehr viel Nachholbedarf besteht", erklärte Zentralratspräsident Josef Schuster.

Der Angriff hatte bundesweit für Empörung gesorgt und eine Debatte über Antisemitismus in Deutschland ausgelöst. Besondere Bekanntheit erlangte der Fall auch, weil eines der Opfer die Tat filmte und das Video in sozialen Netzwerken veröffentlichte, wo es sich schnell verbreitete.

In mehreren deutschen Städten fanden Solidaritätsveranstaltungen für jüdische Mitbürger statt. Der Zentralrat der Juden riet aus Sicherheitsgründen gar davon ab, in der Öffentlichkeit Kippa zu tragen.


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