25.06.2018, 12:25 Uhr

Taipeh (AFP) Taiwans Präsidentin fordert internationalen Zusammenhalt gegen China

Taiwans Präsidentin Tsai Ing Wen. Quelle: AFP/SAM YEH (Foto: AFP/SAM YEH)Taiwans Präsidentin Tsai Ing Wen. Quelle: AFP/SAM YEH (Foto: AFP/SAM YEH)

Tsai: Demokratie und Freiheit müssen verteidigt werden

Taiwans Präsidentin Tsai Ing Wen hat die internationale Staatengemeinschaft aufgefordert, China gemeinsam die Stirn zu bieten. Die Welt müsse den chinesischen Einfluss eindämmen und die demokratischen Werte verteidigen, sagte Tsai in einem Exklusiv-Interview mit der Nachrichtenagentur AFP in Taipeh. "Das ist nicht nur eine Herausforderung für Taiwan, sondern auch für die Region und die Welt als Ganzes."

Taiwan hatte sich nach der Machtübernahme durch die Kommunisten 1949 von China abgespalten, aber nie formell seine staatliche Unabhängigkeit erklärt. China betrachtet die südlich vom chinesischen Festland gelegene, westlich orientierte Insel als abtrünnige Provinz, die eines Tages wieder mit dem Festland vereinigt werden soll - notfalls mit militärischer Gewalt.

Seit die Unabhängigkeitsverfechterin Tsai 2016 ihr Amt antrat, haben sich die Beziehungen zwischen Taipeh und Peking deutlich verschlechtert. China hat seine Militärmanöver nahe der Insel verstärkt.

Taiwans Präsidentin sprach von einem "immensen Druck", der von China ausgehe. Jedes Land könne "mit der Ausweitung der chinesischen Einflussnahme konfrontiert werden", sagte die 61-Jährige der AFP. "Wir müssen zusammenarbeiten, um unsere Werte wie Demokratie und Freiheit zu bekräftigen." China müsse "eingeschränkt" werden, die "Expansion der hegemonialen Einflussnahme" der Chinesen müsse minimiert werden.

Tsai forderte Peking auf, sich seiner "eigenen Verantwortung" in der Region bewusst zu sein und mit Taiwan in den Dialog zu treten. China demonstriert seine territorialen Geltungsansprüche auch gegenüber anderen Staaten in der Region. Im Südchinesischen Meer hat China Militärstützpunkte auf strategisch günstig gelegenen unbewohnten Inseln errichtet. Diese werden auch von anderen Staaten beansprucht. Im Bereich Handel und Infrastruktur spinnt China ein umfassendes Netzwerk aus Häfen und Industrieparks weltweit, es firmiert unter dem Namen "Neue Seidenstraße".

Sie sei trotz der Spannungen bereit, den chinesischen Staatschef Xi Jinping zu treffen, sagte Tsai. "Natürlich hoffe ich, dass während meiner Amtszeit die Chance besteht, dass sich beide Seiten hinsetzen und reden." Tsai bekräftigte ihre Haltung, wonach es für eine solche Begegnung keine Bedingungen geben dürfe. Peking verlangt vor einem solchen Treffen, dass Taiwan die "Ein-China"-Maxime anerkennt.

Peking verlangt von seinen weltweiten Partnern, nach dieser Maxime zu handeln. Daher unterhalten die meisten Staaten keine offiziellen diplomatischen Beziehungen zu Taiwan, zudem ist das Land von vielen internationalen Foren ausgeschlossen. Die Eröffnung einer neuen US-Auslandsvertretung in Taiwan Mitte Juni hatte Peking verärgert.

Tsai verwies auf die vertiefte Zusammenarbeit mit den USA auch im Verteidigungssektor. "Angesichts von Chinas Drohungen sehen wir die Notwendigkeit, unsere Selbstverteidigungskapazitäten zu verbessern", sagte sie AFP.


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