24.06.2018, 12:17 Uhr

Washington (AFP) US-Behörden geben mehr als 500 Migranten-Kinder an ihre Familien zurück

Demo gegen Trumps Einwanderungspolitik in San Diego. Quelle: AFP/DAVID MCNEW (Foto: AFP/DAVID MCNEW)Demo gegen Trumps Einwanderungspolitik in San Diego. Quelle: AFP/DAVID MCNEW (Foto: AFP/DAVID MCNEW)

Pentagon bereitet Internierung von illegal Eingereisten auf Militärbasen vor

Nach der erzwungenen Trennung von ihren Eltern beim Grenzübertritt in die USA sind hunderte Migrantenkinder zu ihren Familien zurückgekehrt. Das Heimatschutzministerium in Washington beendete nach eigenen Angaben vom Samstag (Ortszeit) die separate Internierung von 522 Kindern und ließ sie zu ihren Familien zurück. Weitere sollten folgen. Die Regierung setzt allerdings weiterhin auf Härte: Das Pentagon bereitete die Internierung zehntausender illegal Eingereister auf Militärbasen vor.

Nach US-Angaben waren mehr als 2300 Migranten-Kinder von ihren Eltern getrennt worden. "Die Regierung arbeitet daran, sie mit ihren Familien zu vereinen", erklärte das Heimatschutzministerium. Alle betroffenen Kinder seien ausfindig gemacht worden. Eine "kleine Zahl" von Kindern werde aber separiert bleiben - wenn die familiären Verbindungen nicht bestätigt werden könnten, wenn ihnen bei der Familie Gewalt drohe oder wenn die erwachsene Bezugsperson ein "krimineller Ausländer" sei.

Das US-Gesundheitsministerium richtete eine Task Force für die Zusammenführung getrennter Einwandererfamilien ein. Sie soll die Zusammenführungen vorantreiben.

Die Familienzusammenführungen sind Ergebnis einer Kehrtwende in der Politik von US-Präsident Donald Trump. Auf Anordnung seiner Regierung waren Migranten, die illegal über die Grenze aus Mexiko in die USA einreisten, die Kinder weggenommen worden. Die Eltern kamen in Haftanstalten, ihre Kinder in Auffanglager.

Nach einem empörten Aufschrei im In- und Ausland nahm Trump diese Regelung am Mittwoch zurück. Eltern und Kinder sollen nun gemeinsam inhaftiert werden.

In Lateinamerika berichteten am Wochenende abgeschobene Migranten vom Schicksal ihrer Kinder, die tausende Kilometer entfernt in den USA untergebracht waren.

Der 28-jährige Ever Sierra sagte AFP im honduranischen San Pedro Sula, seine Familie sei beim illegalen Grenzübertritt in die USA auseinandergerissen worden: Seine Frau sei mit der acht Monate alten Tochter in ein Lager nach Texas gebracht worden, er selbst sei abgeschoben worden. Er werde sich wieder in die USA aufmachen, sagte Sierra: "Ich will mit meiner Familie zusammen sein."

Der 33-jährige Benjamin Raymundo berichtete AFP nach seiner Abschiebung nach Guatemala, die US-Behörden hätten ihm im April seinen fünf Monate alten Sohn weggenommen. Der Sohn sei von den Behörden nach New York gebracht worden, wo er dann mit Hilfe eines Anwalts zu einem Verwandten gekommen sei. "Es ist sehr traurig für mich - als ob ich meinen Sohn nie mehr wiedersehe", sagte Raymundo.

Rund 25 Kongressabgeordnete der oppositionellen Demokraten besuchten am Samstag Einrichtungen, in denen Migrantenkinder getrennt festgehalten wurden. Die Abgeordnete Barbara Lee kritisierte Trumps Einwanderungspolitik als "barbarisch". Nach dem Besuch in der Hafteinrichtung in McAllen im Bundesstaat Texas sagte sie: "Die Kinder sind traumatisiert."

Die demokratische Abgeordnete Jackie Speier berichtete nach ihrem Besuch, sie habe "fünfjährige Kinder gesehen, die von ihren Eltern getrennt waren und geweint haben". Die Kinder seien "in Zellen und in Käfigen" festgehalten worden.

Präsident Trump hatte indes bereits bei der Rücknahme des Trennungsbefehls klargemacht, dass er in der Migrationspolitik weiter auf Härte und Abschreckung setzt. Neuankömmlinge könnten künftig auch auf Militärbasen interniert werden: Das Verteidigungsministerium arbeitete nach eigenen Angaben vom Samstag an Plänen, bis zu 20.000 Migranten in Armeeeinrichtungen in Texas, Arkansas und New Mexico unterzubringen.

Trump verteidigte seine Haltung in seiner wöchentlichen Ansprache am Samstag. Mit ihrer Politik der offenen Grenzen wolle die Opposition "jeden in unser Land lassen - egal, wie gefährlich er ist", sagte Trump. "Es könnten Mörder sein, es könnten Diebe sein, es könnten schreckliche Menschen sein."


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