22.06.2018, 09:39 Uhr

Washington (AFP) Deutsche Bank besteht US-Stresstest

Deutsche Bank besteht US-Stresstest. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Fabian Sommer (Foto: dpa/AFP/Archiv/Fabian Sommer)Deutsche Bank besteht US-Stresstest. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Fabian Sommer (Foto: dpa/AFP/Archiv/Fabian Sommer)

Größte Geldinstitute des Landes könnten laut Fed globale Rezession verkraften

Die 35 größten Banken in den USA verfügen nach Einschätzung der Notenbank Federal Reserve (Fed) über genügend Reserven, um selbst eine schwere weltweite Rezession zu verkraften. Selbst bei einem Einbruch der Konjunktur und einem Anstieg der Arbeitslosigkeit auf zehn Prozent könnten die Kreditinstitute noch immer Geld an Unternehmen oder Privathaushalte verleihen, ergab der diesjährige Stresstest der Fed. Auch die US-Tochter der Deutschen Bank liegt demnach im grünen Bereich.

Selbst im Falle eines sehr negativen wirtschaftlichen Szenarios gehe die Fed davon aus, dass die Kernkapitalquote des Unternehmens "zu keinem Zeitpunkt" unter 12,2 Prozent fallen werde, erklärte die Deutsche Bank am Donnerstagabend. Damit würde der von den Aufsichtsbehörden vorgegebene Mindestwert von 4,5 Prozent "deutlich" übertroffen.

Die Stresstests waren als Reaktion auf die Finanzkrise von 2008 eingeführt worden. Sie sind Teil der sogenannten Dodd-Frank-Reformen, die den Finanzsektor gegen weitere Krisen wappnen und damit die US-Steuerzahler vor kostspieligen Bankenrettungen bewahren sollten.

US-Präsident Donald Trump hatte mit dem Argument einer "exzessiven Überregulierung" zuletzt eine Aufweichung dieser Regeln auf den Weg gebracht, die unter anderem kleinere und mittlere Banken von den Stresstests ausnimmt. Große Banken sollen aber auch weiterhin getestet werden. Die nun untersuchten 35 Geldhäuser stehen für 80 Prozent aller Vermögenswerte von Finanzinstituten in den USA.

Für die Deutsche Bank ist das Bestehen des Stresstests eine gute Nachricht. Das größte deutsche Finanzinstitut war im vergangenen Monat an den Börsen verstärkt unter Druck geraten - Ende Mai rutschte der Kurs gar auf einen historischen Tiefstand ab, nachdem die Ratingagentur Standard & Poor's die langfristige Beurteilung der Bank herabgesetzt hatte und bekannt geworden war, dass US-Aufseher eine Tochter des Konzerns als Problemfall einstuften.

Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing, der im Mai einen Reformplan vorgestellt hatte, um das Institut vor allem durch Kostensenkungen einschließlich der Streichung tausender Stellen aus seiner jahrelangen Krise zu führen, betonte daraufhin die Finanzstärke des Konzerns: Die Liquiditätsreserven hätten zum Ende des ersten Quartals nahe ihres historischen Höchststands gelegen.

Für die 35 Banken prognostizierte die Fed im Stressfall einen Gesamtverlust von 578 Milliarden Dollar (rund 495 Milliarden Euro) über einen Zeitraum von neun Quartalen. Das ist mehr als die im vergangenen Jahr berechneten 383 Milliarden Dollar für damals 34 untersuchte Finanzinstitute. Grund dafür sind allerdings auch für US-Großbanken meist negative Einmaleffekte durch die Ende vergangenen Jahres unter Dach und Fach gebrachte Steuerreform in den USA.

Insgesamt würden die 35 Banken aus einer "hypothetischen schweren weltweiten Rezession" mit mehr Eigenkapital hervorgehen, als sie es in den Jahren nach der letzten Rezession waren, erklärte der Vize-Präsident für die Bankenaufsicht bei der Fed, Randal Quarles.


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