22.06.2018, 11:08 Uhr

Izmir (AFP) Türkische Opposition zeigt vor Wahlen in Izmir ihre Stärke

CHP-Kundgebung in Izmir. Quelle: CHP PRESS OFFICE/AFP/Ziya KOSEOGLU (Foto: CHP PRESS OFFICE/AFP/Ziya KOSEOGLU)CHP-Kundgebung in Izmir. Quelle: CHP PRESS OFFICE/AFP/Ziya KOSEOGLU (Foto: CHP PRESS OFFICE/AFP/Ziya KOSEOGLU)

Hunderttausende kommen zu Kundgebung von CHP-Kandidat Ince

Drei Tage vor den Parlaments- und Präsidentschaftswahlen in der Türkei hat die Opposition mit einer Massenkundgebung in Izmir ihre Stärke demonstriert. Hunderttausende Menschen kamen am Donnerstagabend zu der Großkundgebung des CHP-Kandidaten Muharrem Ince in der westtürkischen Küstenstadt, die eine Hochburg seiner Republikanischen Volkspartei (CHP) ist. Präsident Recep Tayyip Erdogan warb am Freitag bei einer Wahlkampftour durch Istanbul um Stimmen.

Erdogan sei ein "erschöpfter, einsamer Mann, der nicht länger Träume hat", rief Ince bei der riesigen Kundgebung am Ufer der Ägäis. Erdogan sei ein "arroganter Mann, der keinen Respekt für sein Volk hat". Er dagegen werde die "Türkei vereinen", Frieden bringen, Wachstum schaffen und Wohlstand teilen, versprach der 54-jährige. Die Organisatoren sprachen von rund 2,5 Millionen Teilnehmern, doch war die Zahl von unabhängiger Seite nicht zu überprüfen.

In der Türkei finden am Sonntag vorgezogene Parlaments- und Präsidentschaftswahlen statt. Erdogan geht als Favorit in die Wahl, doch ist offen, ob er in der ersten Runde eine Mehrheit erhält. In einer neuen Gezici-Umfrage kommt Erdogan auf 48,2 Prozent vor Ince mit 29,1 Prozent. Andere Meinungsforschungsinstitute erwarten dagegen einen klaren Sieg Erdogans. Allgemein gelten Umfragen in der Türkei als wenig zuverlässig.

Verfehlt Erdogan am Sonntag die absolute Mehrheit muss er am 8. Juli in eine Stichwahl - vermutlich gegen Ince. Dann könnten andere Oppositionsparteien den CHP-Kandidaten gegen Erdogan unterstützen. Laut Umfragen könnte zudem das Bündnis von Erdogans islamisch-konservativer AKP und der ultrarechten MHP bei der Parlamentswahl die Mehrheit verfehlen.

Ince wird am Freitag in Ankara sprechen und am Samstag in Istanbul eine Großkundgebung im Stadtteil Maltepe am Marmara-Meer abhalten. Die beiden Ko-Vorsitzenden der prokurdischen HDP, Pervin Buldan und Sezai Temelli, planten für Freitag Auftritte in Yüksekova und Dersim im mehrheitlich kurdischen Südosten der Türkei. Ihr Präsidentschaftskandidat Selahattin Demirtas kann selbst nicht öffentlich auftreten, da er im Gefängnis sitzt.

Erdogan seinerseits brach am Freitag zu einer zweitägigen Wahlkampftour durch Istanbul auf. In insgesamt zwölf Vierteln der Bosporus-Metropole will der 64-jährige AKP-Kandidat sich an die Wählern wenden. Bei einem Auftritt in Kartal hob Erdogan hervor, was er für die Modernisierung des Landes getan habe. Im Wahlkampf unterstrich er immer wieder, wie viele Straßen, Brücken, Tunnel und Flughäfen in seiner Regierungszeit gebaut wurden.

Am Donnerstagabend landete seine Präsidentenmaschine als erstes Flugzeug auf dem riesigen neuen Flughafen, der derzeit in Istanbul gebaut wird. Erdogan kündigte an, ihn zum größten Airport der Welt zu machen. Der Flughafen im Nordwesten der Großstadt soll zum Tag der Republik am 29. Oktober eröffnet werden. Die Opposition bezweifelt, dass Großprojekte wie der Airport ökonomisch sinnvoll sind und Naturschützer kritisieren ihre Folgen für die Umwelt.

Bei den Wahlen am Sonntag dürfte es knapp werden; schon einige hunderttausend Stimmen könnten den Ausschlag geben. In der Opposition besteht daher die Sorge vor Fälschungen, besonders die HDP befürchtet Unregelmäßigkeiten im Südosten. International auf Kritik stieß am Donnerstag, dass Ankara dem Linken-Abgeordneten Andrej Hunko und dem schwedischen Parlamentarier Amin Jabar, die für die OSZE die Wahl beobachten wollten, die Einreise verweigerte.

Der Menschenrechtsverein IHD und andere Bürgerrechtsgruppen veröffentlichten am Freitag einen Bericht zu Angriffen auf Parteien und ihre Anhänger im Wahlkampf. Demnach war vor allem die HDP betroffen, bei der 93 Angriffe verzeichnet wurden, darunter 28 durch Sicherheitskräfte. 49 HDP-Anhänger seien verletzt und 361 festgenommen worden, hieß es. Auch wurden laut dem Bericht 17 HDP-Kundgebungen verboten.


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