19.06.2018, 11:50 Uhr

Genf (AFP) Zahl der Flüchtlinge weltweit steigt auf neuen Rekordwert

Auf dem Mittelmeer gerettete Flüchtlinge. Quelle: AFP/Archiv/GIOVANNI ISOLINO (Foto: AFP/Archiv/GIOVANNI ISOLINO)Auf dem Mittelmeer gerettete Flüchtlinge. Quelle: AFP/Archiv/GIOVANNI ISOLINO (Foto: AFP/Archiv/GIOVANNI ISOLINO)

UNHCR legt Jahresbericht vor - Vor allem Länder des Südens betroffen

Angesichts anhaltender Bürgerkriege und gewaltsamer Vertreibungen hat die Zahl der Flüchtlinge weltweit einen neuen Höchststand erreicht. Nach UN-Angaben vom Dienstag ließen Konflikte, Gewalt und Verfolgung die Zahl der Vertriebenen im vergangenen Jahr um etwa drei Millionen auf rund 68,5 Millionen steigen. Damit wurde bereits zum fünften Mal in Folge ein neues Rekordniveau erreicht.

Zwei Drittel der Flüchtlinge stammten aus lediglich zehn Ländern, heißt es in dem in Genf vorgelegten Weltflüchtlingsbericht des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR. So waren besonders Menschen aus Syrien, Afghanistan, Südsudan, Myanmar und Somalia wegen der dort tobenden Konflikte zur Flucht gezwungen.

UN-Flüchtlingskommissar Filippo Grandi forderte mehr Einsatz bei der Sicherung des Friedens in diesen Ländern. "Wenn es Lösungen für die Konflikte in diesen zehn Staaten geben würde oder wenigstens in einigen von ihnen, könnte diese gigantische Zahl sinken, statt jedes Jahr weiter zu steigen", erklärte er. Die Welt stehe angesichts der Krise am "Scheideweg": Es seien neue und umfassendere Anstrengungen nötig.

Betroffene Länder und Aufnahmegesellschaften dürften mit dem Problem "nicht alleine gelassen werden", mahnte er. Um die Flüchtlingskrisen erfolgreich bewältigen zu können, müsse diesen mehr geholfen werden.

Der größte Teil der Vertriebenen überquerte nach Angaben des UNHCR dabei keine Grenze: Etwa 40 Millionen der insgesamt 68,5 Millionen waren so genannte Binnenflüchtlinge. Das galt vor allem für Menschen aus Syrien, Kolumbien und dem Kongo. Darüber hinaus begaben sich auch die meisten der grenzüberschreitenden Flüchtlinge lediglich in Nachbarländer - und nicht etwa in die westlichen Industriestaaten.

So wurden 85 Prozent der unter UNHCR-Mandat fallenden Flüchtlinge in armen Staaten sowie Entwicklungs- oder Schwellenländern aufgenommen und versorgt. Die fünf Länder, die die größte Zahl von Vertriebenen aufnahmen, waren dem Hilfswerk zufolge die Türkei (3,5 Millionen), Pakistan (1,4 Millionen), Uganda (1,4 Millionen), Libanon (998.000) und Iran (979.000). Deutschland lag auf dem sechsten Platz (970.000).

Die Hälfte der grenzüberschreitenden Flüchtlinge waren Kinder, wie das UNHCR weiter mitteilte. Die Türkei verzeichnete demnach allein 2017 einen Anstieg der Flüchtlingszahlen um 21 Prozent. Fast alle der in dem Land lebenden Vertriebenen stammten aus Syrien.

Syrien war mit rund 6,3 Millionen für fast ein Drittel der gesamten grenzüberschreitenden Flüchtlinge unter dem Mandat des UNHCR verantwortlich. Die Zahl der aus ihrem Land vertriebenen Syrer stieg 2017 nochmal um 14 Prozent. An zweiter Stelle der Herkunftsländer lag Afghanistan mit 2,6 Millionen. Es folgte Südsudan, wo die Zahl der Flüchtlingen im vergangenen Jahr besonders stark anstieg - und zwar von 1,4 Millionen Anfang 2017 auf 2,4 Millionen zum Jahresende.

Südsudan erlebe eine "sehr schwierige Notsituation", sagte Grandi in Genf. Das UNHCR verwies zudem auf die Lage in Myanmar. Die Zahl der aus dem Land vertriebenen Rohingya habe sich 2017 auf über 1,2 Millionen mehr als verdoppelt. Hinzu kämen große Vertreibungen im Irak, in Somalia, im Sudan und im Kongo. Darüber hinaus lebten weiterhin noch rund 5,4 Millionen Palästinenser als Flüchtlinge.


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