18.06.2018, 14:26 Uhr

Landau in der Pfalz (AFP) Prozess um Mordfall von Kandel unter Ausschluss der Öffentlichkeit

Großer Sitzungssaal des Landauer Landgerichts. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Uwe Anspach (Foto: dpa/AFP/Archiv/Uwe Anspach)Großer Sitzungssaal des Landauer Landgerichts. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Uwe Anspach (Foto: dpa/AFP/Archiv/Uwe Anspach)

Mutmaßlich aus Afghanistan stammender Flüchtling soll 15-Jährige erstochen haben

Hinter verschlossenen Türen hat vor dem Landgericht Landau in Rheinland-Pfalz der Prozess um den Mord an einer Schülerin in Kandel begonnen. Vor Gericht muss sich seit Montag ein mutmaßlich aus Afghanistan stammender Flüchtling verantworten, der seine 15-jährige Exfreundin im Dezember aus Eifersucht erstochen haben soll. Da das Alter des Angeklagten nicht zweifelsfrei feststeht, wird vor der Jugendkammer unter Ausschluss der Öffentlichkeit verhandelt.

Der Angeklagte soll das Mädchen am 27. Dezember in einem Drogeriemarkt mit einem Messer attackiert haben. Die 15-Jährige starb an einem Messerstich ins Herz. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass Eifersucht das Motiv für die Tat war. Die Schülerin soll sich wenige Wochen zuvor von dem mutmaßlichen Täter getrennt haben. Er wurde wegen Mordes aus niederen Beweggründen und Heimtücke angeklagt.

Der Verteidiger des mutmaßlichen Täters, Maximilian Endler, kündigte an, dass sich dieser zu "Person und Sache" äußern werde. Genauere Angaben machte er nicht. Sein Mandant befinde sich in einer "schlechten Verfassung".

Gegen den Angeklagten wird vor der Jugendkammer des Landgerichts verhandelt. Frühere Angaben des Verdächtigen, bei der Tat erst 15 Jahre alt gewesen zu sein, gelten zwar als widerlegt. Für das Gericht war aber nach Angaben von Sprecher Robert Schelp nicht zweifelsfrei erwiesen, dass er älter als 18 Jahre ist. Es bestehe nach einem Gutachten die Möglichkeit, dass er erst siebzehneinhalb Jahre alt sei. Bei einem Jugendlichen müsse zwingend nicht öffentlich verhandelt werden.

Als Jugendlicher gilt vor Gericht, wer zur Tatzeit 14, aber noch nicht 18 Jahre alt ist. Das Jugendstrafrecht sieht geringere Höchststrafen als Erwachsenenstrafrecht vor. Im Jugendstrafrecht können Haftstrafen von bis zu zehn Jahren verhängt werden.

Es besteht auch die Möglichkeit, dass das Gericht den Angeklagten am Ende als Heranwachsenden einstuft. Ein Heranwachsender ist 18 Jahre, aber noch nicht 21 Jahre alt. In diesem Fall wird Jugendstrafrecht angewendet, wenn der Heranwachsende in seiner Entwicklung zur Tatzeit einem Jugendlichen gleichsteht.

Bei Heranwachsenden, die nach Jugendstrafrecht verurteilt werden, ist bei Mord und einer besonderen Schwere der Schuld eine Höchststrafe von 15 Jahren möglich. Das Erwachsenenstrafrecht sieht bei Mord eine lebenslange Haftstrafe vor.

Am ersten Prozesstag sollte laut Gerichtssprecher Schelp zunächst die Anklage verlesen werden. Bei dem Verdächtigen handelt es sich den Ermittlungen zufolge um einen Asylbewerber, der im Frühjahr 2016 unbegleitet nach Deutschland kam.

Vor dem Landgericht sind bislang 13 Verhandlungstage bis Ende August angesetzt. Zum Auftakt des Prozesses galten rund um das Gerichtsgebäude strenge Sicherheitsvorkehrungen. Diese waren laut Gerichtssprecher Schelp mit der Polizei abgestimmt.

Der Fall hatte bundesweit für Entsetzen gesorgt. Nach der Tat kam es in Kandel auch zu Demonstrationen. Dabei handelte es sich zum Teil um rechtspopulistische Kundgebungen, gegen die es wiederum Demonstrationen unter dem Motto "Wir sind Kandel" für ein weltoffenes Miteinander gab.


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