16.06.2018, 16:00 Uhr

Dschalalabad (AFP) Mindestens 20 Tote bei Selbstmordanschlag auf Feiernde in Afghanistan


Regierung verkündet Verlängerung von Waffenruhe

Bei einem Selbstmordanschlag auf eine feiernde Menge aus Taliban, Sicherheitskräften und Zivilisten sind in Afghanistan mindestens 20 Menschen getötet worden. Nach Behördenangaben wurden mindestens 16 weitere Menschen verletzt, als sich ein Attentäter am Samstag im Bezirk Rodat nahe Dschlalabad in der östlichen Provinz Nangarhar inmitten einer Feier zur derzeit geltenden Waffenruhe zwischen Taliban und Regierungsarmee in die Luft sprengte.

In Afghanistan gilt seit Dienstag eine von der Regierung verkündete Waffenruhe zum muslimischen Zuckerfest. Die radikalislamischen Taliban hatten ihrerseits alle Kämpfer der Miliz aufgefordert, während der ersten drei Tage des Zuckerfestes zum Ende des Ramadan die Angriffe auf afghanische Sicherheitskräfte einzustellen. Es ist das erste Mal in dem seit 2001 andauernden Konflikt in Afghanistan, dass die Taliban eine Feuerpause ausriefen.

Zu dem Selbstmordanschlag am Samstag bekannte sich zunächst niemand. Aus afghanischen Sicherheitskreisen hieß es, die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) sei verantwortlich. Der IS ist von der Waffenruhe ausgenommen.

Die afghanische Regierung verlängerte am Samstag ihre Waffenruhe. Er weise die Sicherheitskräfte an, "auf ihren Verteidigungspositionen zu bleiben", sagte Präsident Aschraf Ghani in einer Fernsehansprache an. Die Dauer der Verlängerung war zunächst unklar, Einzelheiten sollten laut Ghani später bekannt gegeben werden.

Nach Beginn der Feuerpause und dem Beginn des Zuckerfestes am Freitag kam es überall in Afghanistan zu ungewöhnlichen Szenen. Afghanische Sicherheitskräfte und Zivilisten umarmten Taliban-Kämpfer aus Freude über die Waffenruhe, beglückwünschten einander zum Zuckerfest und posierten gemeinsam für Fotos.

Taliban-Kämpfer mit schweren Waffen fuhren durch den umkämpften Distrikt Bati Kot in der Provinz Nangarhar und schwenkten afghanische und Taliban-Flaggen. An Kontrollpunkten umarmten Sicherheitskräfte die Männer, gegen die sie normalerweise kämpften. Dorfbewohner umringten Taliban-Kämpfer und machten fröhlich Selfies mit ihnen.

"Ich bin hier, um Grüße an unsere Brüder in der Polizei und der Armee zu richten", sagte ein Taliban-Befehlshaber der Nachrichtenagentur AFP. "Alle haben den Krieg satt, und wenn unsere Anführer es anordnen, werden wir die Waffenruhe für immer einhalten."

Im Februar hatte Ghani einen Plan für Friedensgespräche mit den Taliban vorgestellt und deren Anerkennung als politische Partei in Aussicht gestellt. Die Taliban reagierten nicht offiziell auf den Vorschlag. Sie begannen kurz darauf jedoch ihre alljährliche "Frühjahrsoffensive" gegen die afghanische Regierung.


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