16.06.2018, 12:58 Uhr

Berlin (AFP) Staatsanwaltschaft stellt Ermittlungen gegen Rapper Kollegah und Farid Bang ein

Rapper Farid Bang (l.) und Kollegah. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Britta Pedersen (Foto: dpa/AFP/Archiv/Britta Pedersen)Rapper Farid Bang (l.) und Kollegah. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Britta Pedersen (Foto: dpa/AFP/Archiv/Britta Pedersen)

Justiz stuft Kunstfreiheit und Meinungsfreiheit höher ein

Im Streit um Antisemitismusvorwürfe gegen die Rapper Kollegah und Farid Bang hat die Justiz die Musiker entlastet und ihre umstrittenen Textzeilen als nicht strafbar eingestuft. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Düsseldorf seien eingestellt worden, sagte Sprecher Ralf Herrenbrück am Samstag. Zwar seien einige dieser Zeilen "politisch nicht korrekt" - in der Abwägung "überwiegen aber die Kunstfreiheit und die Meinungsfreiheit". Der Streit um die Texte hatte die Abschaffung des Musikpreises Echo zur Folge.

Gegen die beiden Musiker war rund ein Dutzend Strafanzeigen gestellt worden, untersucht wurde dann, ob der Straftatbestand der Volksverhetzung vorliegt. Kollegah und Farid Bang wird im Zusammenhang mit ihrem Album "JBG3" Gewaltverherrlichung, Frauenfeindlichkeit und auch Antisemitismus vorgeworfen. Die umstrittenen Zeilen erreichten allerdings "nicht die Nähe" eines Straftatbestands, sagte Herrenbrück.

Pressefreiheit, Meinungsfreiheit und Kunstfreiheit seien "absolute Grundfreiheiten" und es gebe einen breiten Raum, was in diesem Zusammenhang ertragen werden müsse, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft weiter. Das gelte auch für "Passagen, die geschmacklich angreifbar sind". Die Justiz begründete die Einstellung der Ermittlungen auch mit dem Genre, dem sogenannten Gangsta-Rap, der durch markige Sprüche geprägt ist.

Die beiden Rapper waren Mitte April mit dem Echo-Musikpreis ausgezeichnet worden. Die Preisverleihung sorgte für viel Protest und Empörung, zahlreiche renommierte Künstler gaben ihre eigenen Preise zurück. In den Tagen nach der Preisverleihung wurden nach und nach Strafanzeigen gestellt.

Nach dem Skandal um die Auszeichnung der beiden Rapper wurde schließlich Ende April bekannt, dass der Musikpreis abgeschafft wird. Der Echo sei durch die Geschehnisse "so stark beschädigt" worden, dass ein "vollständiger Neuanfang" nötig geworden sei, erklärte der Bundesverband der deutschen Musikindustrie damals dazu.


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