14.06.2018, 10:09 Uhr

Berlin (AFP) Marburger Bund: Medizinstudenten im Praktischen Jahr oft billige Hilfskräfte

Das Praktische Jahr ist der letzte Teil des Medizinstudiums. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Rolf Vennenbernd (Foto: dpa/AFP/Archiv/Rolf Vennenbernd)Das Praktische Jahr ist der letzte Teil des Medizinstudiums. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Rolf Vennenbernd (Foto: dpa/AFP/Archiv/Rolf Vennenbernd)

Kultusministerkonferenz berät über neues Zulassungsverfahren zum Medizinstudium

Angehende Ärzte werden im letzten Ausbildungsabschnitt dem Marburger Bund zufolge oft als Lückenbüßer und billige Hilfskräfte missbraucht. Bei der Ausbildung von Medizinstudenten im Praktischen Jahr fehle es zudem an Betreuung und Anleitung, kritisierte die Ärztegewerkschaft am Donnerstag in Berlin.

Das Praktische Jahr (PJ) ist das letzte Ausbildungsjahr im Medizinstudium, dass die bislang erworbenen Kenntnisse vertiefen und erweitern soll. Die Einsätze erfolgen in der inneren Medizin, in der Chirurgie und in einem weiteren Fachgebiet.

Laut einer Umfrage des Marburger Bunds brachten fast zwei Drittel der Medizinstudenten (63 Prozent) im ersten Drittel des Praktischen Jahrs 40 bis 50 Stunden pro Woche im Krankenhaus zu, acht Prozent sogar 50 bis 60 Stunden. Nur 28 Prozent der Medizinstudenten waren weniger als 40 Stunden in der Klinik. Ein Fünftel musste auch regelmäßig Zusatzdienste leisten.

"Die hohen wöchentlichen Anwesenheitszeiten der PJler und die Zusatzdienste verstoßen gegen die Approbationsordnung und widersprechen eklatant dem Ausbildungscharakter des PJ", erklärte Andreas Botzlar, zweiter Vorsitzender der Ärztegewerkschaft. Es könne nicht sein, "dass Medizinstudierende als billige Hilfskräfte missbraucht werden, weil die Kliniken zu wenig Personal vorhalten".

Für besonders bedenklich hält es der Ärzteverband, dass ein Großteil der angehenden Mediziner ärztliche Kernleistungen ohne Anleitung und Aufsicht übernehme. Zwar dürften Studierende bestimmte ärztliche Tätigkeiten übernehmen. Dies müsse aber unter Anleitung, Aufsicht und Verantwortung des ausbildenden Arztes geschehen. Befragt wurden im März und April rund 1300 Mitglieder des Marburger Bunds, die sich noch im PJ befinden oder dieses gerade absolvierten.

Der Zugang zum Medizinstudium beschäftigt auch die Kultusministerkonferenz der Länder ab Donnerstag bei ihrem zweitägigen Treffen in Erfurt. Dabei geht es unter anderem um Eckpunkte für ein neues Zulassungsverfahren zum Medizinstudium. Nach einem Urteil des Bundesverfassungsgericht muss das Verfahren bis Ende 2019 neu geregelt werden.


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