10.06.2018, 20:38 Uhr

Wiesbaden (AFP) Tatverdächtiger im Mordfall Susanna gesteht Tötung der 14-Jährigen

Ali B. nach dem Eintreffen in Deutschland am Samstag. Quelle: dpa/dpa/picture-alliance/Boris Roessler (Foto: dpa/dpa/picture-alliance/Boris Roessler)Ali B. nach dem Eintreffen in Deutschland am Samstag. Quelle: dpa/dpa/picture-alliance/Boris Roessler (Foto: dpa/dpa/picture-alliance/Boris Roessler)

Ali B. bestreitet jedoch Vergewaltigung

Im Mordfall der 14-jährigen Susanna hat der tatverdächtige Ali B. die Tötung des Mädchens gestanden, eine Vergewaltigung aber bestritten. Wie das Polizeipräsidium Westhessen und die Wiesbadener Staatsanwaltschaft am Sonntagabend mitteilten, äußerte sich der 20-jährige Ali B. in einer ersten Vernehmung durch die Polizei und vor einer Ermittlungsrichterin.

Als Motiv für die Tötung der Heranwachsenden habe er angegeben, nachdem Susanna sich bei einem Sturz im Gesicht verletzt habe, habe er befürchtet, dass das Mädchen die Polizei informieren werde. Eine Vergewaltigung bestritt der Tatverdächtige demnach aber.

Ali B. wurde in Untersuchungshaft genommen. Laut Polizei wurde er am Sonntagabend in eine Justizvollzugsanstalt in Frankfurt am Main eingeliefert.

Ali B. wird verdächtigt, die 14-jährige Susanna aus Mainz vergewaltigt und getötet zu haben. Das Mädchen war vor mehr als zwei Wochen als vermisst gemeldet und am Mittwoch in Wiesbaden tot aufgefunden worden. B. hatte sich mit seinen Eltern und Geschwistern Anfang Juni in den Irak abgesetzt. In der Nacht zum Freitag wurde er von kurdischen Sicherheitskräften im Nordirak festgenommen und am Samstag per Flugzeug zurück nach Deutschland gebracht

Als Konsequenz an dem Mordfall Susanna forderte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) schnellere Abschiebungen abgelehnter Asylbewerber. Der Fall zeige, "wie wichtig es ist, dass Menschen, die keinen Aufenthaltsstatus haben, schnell ihr Verwaltungsgerichtsverfahren bekommen und dann auch schnell wieder nach Hause geschickt werden können", sagte Merkel am Sonntagabend in der ARD-Sendung "Anne Will".

Für sie sei zudem die Lehre aus diesem "abscheulichen Mord", schnell die von der großen Koalition vereinbarten Ankerzentren bundesweit einzurichten, fügte Merkel hinzu. In diesen Zentren sollen Asylbewerbern für die gesamte Dauer ihres Verfahrens bleiben und im Falle einer Ablehnung direkt von dort abgeschoben werden. Das Vorhaben ist jedoch unter einigen Bundesländern umstritten.

Der Iraker Ali B. war im Herbst 2015 nach Deutschland gekommen, sein Asylgesuch wurde im Dezember 2016 abgelehnt. Seither lebte er in einer Flüchtlingsunterkunft in Wiesbaden.

Grünen-Chef Robert Habeck forderte vor dem Hintergrund des Falls in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" eine zweite Instanz in Asylverfahren, um diese deutlich zu beschleunigen. Eine solche Instanz könne Grundsatzentscheidungen treffen, dann würde zwischen Asylbescheid und Urteil nicht solch eine lange Zeit vergehen. Der Fall des Tatverdächtigen B. habe eineinhalb Jahre vor Gericht gehangen, "deshalb war er noch im Land". Entsprechende Gesetzentwürfe für eine zweite Instanz habe seine Fraktion vorgelegt.

FDP-Chef Christian Lindner forderte Aufklärung darüber, weshalb sich die Familie von B. in den Irak absetzen konnte. "Wir müssen wissen, wer sich als Asylbewerber in unserem Land aufhält und wer es gegebenenfalls auch verlässt", sagte er der Funke-Mediengruppe.


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