06.06.2018, 13:14 Uhr

Köln (AFP) Deutscher Astronaut Gerst nach Bilderbuchstart erneut auf dem Weg zur ISS

Start ins All. Quelle: AFP/Vyacheslav Oseledko (Foto: AFP/Vyacheslav Oseledko)Start ins All. Quelle: AFP/Vyacheslav Oseledko (Foto: AFP/Vyacheslav Oseledko)

Sojus-Rakete hebt planmäßig in Baikonur ab - Ankunft an Raumstation am Freitag

Nächster Halt ISS: Der deutsche ESA-Astronaut Alexander Gerst ist erneut auf dem Weg zur Internationalen Raumstation. Gerst startete am Mittwoch pünktlich um 13.12 Uhr deutscher Zeit mit einem Sojus-Raumschiff vom kasachischen Weltraumbahnhof Baikonur zu seinem zweiten Raumflug. An Bord befinden sich zudem der russische Kosmonaut Sergej Prokopjew und die Nasa-Astronautin Serena Aunon-Chancellor. Das Trio soll Freitag auf der ISS eintreffen.

Dort werden Gerst, Prokopjew und Aunon-Chancellor auf zwei weitere US-Astronauten und einen Russen treffen, die sich derzeit auf der ISS aufhalten. Gerst wird bis zum Dezember auf der Raumstation leben und forschen. In der zweiten Hälfte seiner Mission "Horizons" wird er ab Oktober als erster Deutscher und zweiter Europäer das Kommando auf der ISS übernehmen.

Nach dem Start der 50 Meter hohen Sojus-Rakete von Baikonur wurde das Raumschiff auf eine Geschwindigkeit von rund 28.800 Stundenkilometer beschleunigt, wie die Europäische Weltraumagentur ESA mitteilte. Innerhalb von nur zehn Minuten nach dem Anheben der Rakete legte die Besatzung demnach mehr als 1640 Kilometer zurück und erreichte dabei eine Höhe von zunächst 210 Kilometern.

Die Sojus-Kapsel soll die ISS nach Angaben des Deutschen Raumfahrtzentrums DLR am Freitag um 15.07 Uhr deutscher Zeit erreichen. Um 16.50 Uhr soll sich dann die Luke zwischen Kapsel und Raumstation öffnen, so dass die Crew in die ISS einschweben kann.

Für den als Astro-Alex populär gewordenen Gerst beginnt dann der zweite Langzeitaufenthalt auf der Internationalen Raumstation: 2014 verbrachte der heute 42-Jährige bereits insgesamt 165 Tage im All. Bei einer Public-Viewing-Veranstaltung in Gersts baden-württembergischer Heimatstadt Künzelsau verfolgte am Mittwoch eine große Menschenmenge den Start des prominenten Astronauten zu seinem zweiten Raumflug.

Während seines erneuten ISS-Aufenthalts wird Gerst wiederum an einer Vielzahl wissenschaftlicher Experimente teilnehmen. Nach DLR-Angaben stammen 67 dieser Experimente aus Europa, davon 41 aus Deutschland. Letztere werden vom DLR koordiniert und gesteuert.

Unter anderem sollen dabei Fragen beantwortet werden, wie künstliche Intelligenz den Astronauten bei ihrem Job im All helfen kann und wie sich lebende Zellen in Schwerelosigkeit verhalten. Auch geht es um die Frage, was Wissenschaftler vom Wanderverhalten der Tiere über den Klimawandel lernen können.

Zu den zahlreichen weiteren Forschungsgebieten bei der zweiten ISS-Mission von Gerst zählen die Auswirkungen eines Aufenthalts im All auf unser Immunsystem und Möglichkeiten, aus Erfahrungen mit Schmelzprozessen auf der ISS die industriellen Gießprozesse auf der Erde zu verbessern.

Eine der ersten wissenschaftliche Aufgaben von Gerst auf der ISS wird laut ESA die Arbeit an einem kanadischen Experiment sein, das die Auswirkungen der Schwerelosigkeit auf das Knochenmark untersucht. Ergebnisse dieser Forschungen könnten auf der Erde für die Behandlung älterer und bettlägeriger Menschen interessant sein, die an Osteoporose - also Knochenschwund - leiden.


0 Kommentare