06.06.2018, 16:23 Uhr

Jerusalem (AFP) Israel reicht Fifa-Beschwerde gegen Palästinenser wegen "Fußball-Terrorismus" ein

Messi bei Ankunft des argentinischen Teams in Barcelona. Quelle: AFP/Archiv/PAU BARRENA (Foto: AFP/Archiv/PAU BARRENA)Messi bei Ankunft des argentinischen Teams in Barcelona. Quelle: AFP/Archiv/PAU BARRENA (Foto: AFP/Archiv/PAU BARRENA)

Absage des Freundschaftsspiels in Jerusalem durch Argentinien sorgt für Empörung

Nach der Absage eines Freundschaftsspiels in Jerusalem durch die argentinische Fußball-Nationalmannschaft wächst in Israel die Empörung. Der palästinensische Fußballverband habe bei seinen Protesten gegen das Spiel "Fußball-Terrorismus" betrieben, sagte der Vize-Präsident von Israels Fußballverband, Rotem Kamer, am Mittwoch. Er kündigte eine Beschwerde beim Weltfußballverband Fifa an. Auf palästinensischer Seite dagegen wurde der Schritt der Argentinier begrüßt.

"Wir sehen das als Überschreiten einer roten Linie an und wir können das nicht akzeptieren", sagte Kamer. Der palästinensische Verband habe den argentinischen Fußballern und deren Familien im Vorfeld gedroht. Deshalb werde der israelische Verband eine offizielle Beschwerde bei der Fifa gegen den palästinensischen Verband einreichen.

"Es ist eine Schande, dass Argentiniens Fußball-Adel dem Druck von Israel-hassenden Hetzern nicht widerstanden hat", hatte zuvor bereits Israels Verteidigungsminister Avigdor Lieberman im Kurzbotschaftendienst Twitter erklärt.

Der Präsident des palästinensischen Fußballverbands, Dschibril Radschub, begrüßte die Entscheidung der Argentinier. Der Schritt sei eine "rote Karte" für Israel, sagte er.

Die israelische Botschaft in Buenos Aires hatte zuvor mitgeteilt, das für Samstag angesetzte und bereits ausverkaufte Spiel werde "aufgeschoben". Hintergrund seien "Drohungen und Provokationen" gegen den argentinischen Superstar Lionel Messi.

Ein Sprecher des argentinischen Fußballverbands sagte der Nachrichtenagentur AFP am Mittwoch, dass sich die Mannschaft eine Woche vor dem Beginn der Weltmeisterschaft in Russland auf das konzentrieren wolle, "was wirklich wichtig ist und was vor uns liegt".

Gegen das Spiel in Jerusalem hatte es erhebliche Proteste von Seiten der Palästinenser gegeben. Radschub hatte Messi am Sonntag aufgefordert, nicht in Jerusalem zu spielen. "Messi ist ein Symbol für Frieden und Liebe", sagte Radschub vor Journalisten in Ramallah im Westjordanland. "Wir bitten ihn, nicht an der Reinwaschung der Verbrechen der Besatzung teilzunehmen."

Messi habe Millionen Fans in arabischen und muslimischen Ländern, sagte Radschub. Jeder solle "seine Trikots mit seinem Namen und Poster verbrennen", falls er doch in Jerusalem antrete. Er habe die argentinische Regierung in einem Brief aufgefordert, Messi nicht an dem Freundschaftsspiel in Jerusalem teilnehmen zu lassen.

Am Dienstagabend hatten militante Palästinenser in Barcelona vor dem Trainingslager der argentinischen Nationalmannschaft ein Trikot mit roter Farbe geschwenkt und die Spieler lautstark aufgefordert, dem Spiel fernzubleiben.

Das Freundschaftsspiel sollte zunächst in der israelischen Hafenstadt Haifa stattfinden. Sportministerin Miri Regev, eine Verbündete von Regierungschef Benjamin Netanjahu, hatte jedoch massiv für die Verlegung nach Jerusalem geworben. Dies hatte die Proteste der Palästinenser verschärft. Nach der Absage des Spiels wurde aus dem Umfeld Netanjahus Kritik an Regev und deren Einsatz für die Verlegung laut, wie israelische Medien berichteten.

Der endgültige Status Jerusalems ist einer der größten Streitpunkte im Nahost-Konflikt. Die Palästinenser beanspruchen den 1967 von Israel besetzten und 1980 annektierten Ostteil Jerusalems als künftige Hauptstadt des von ihnen angestrebten eigenen Staates. Israel beansprucht ganz Jerusalem als Hauptstadt.


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