06.06.2018, 17:51 Uhr

Berlin (AFP) Grenell laut deutschen Diplomaten "unglücklich" über Reaktionen auf Interview

US-Botschafter Richard Grenell. Quelle: AFP/Archiv/Odd ANDERSEN (Foto: AFP/Archiv/Odd ANDERSEN)US-Botschafter Richard Grenell. Quelle: AFP/Archiv/Odd ANDERSEN (Foto: AFP/Archiv/Odd ANDERSEN)

US-Botschafter muss sich bei Antrittsbesuch im Auswärtigen Amt erklären

Der neue US-Botschafter in Deutschland, Richard Grenell, hat bei seinem Antrittsbesuch im Auswärtigen Amt zu seinen umstrittenen Interview-Äußerungen Stellung genommen. Grenell habe sich bei dem "in offener Atmosphäre" geführten Gespräch mit Staatssekretär Andreas Michaelis "unglücklich über die Reaktionen" auf das Interview gezeigt, hieß es am Mittwochabend aus dem Auswärtigen Amt. Zuvor hatte Grenell für seine Äußerungen im ultrarechten Internetportal "Breitbart" Rückendeckung aus Washington bekommen.

Bei dem Gespräch zwischen Grenell und Michaelis ging es unter anderem um die Lage im Nahen Osten, die Nato, die bilateralen Beziehungen und das "Breitbart"-Interview, wie es aus dem Außenministerium in Berlin hieß. Grenell gab demnach an, er wolle insbesondere nicht als "Parteigänger rechtsgerichteter Kräfte in Deutschland" wahrgenommen werden.

Demnach betonte der 51-jährige US-Botschafter, er wolle "auch atmosphärisch die Voraussetzungen dafür schaffen, dass eine enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den deutschen Partnern" möglich werde.

Staatssekretär Michaelis sagte demnach, die Reaktionen auf das "Breitbart"-Interview hätten deutlich gezeigt, welchen hohen Wert die deutsche Bevölkerung den Beziehungen zu den USA beimessen würden.

Grenell hatte es in einem Interview mit "Breitbart" als seine Aufgabe beschrieben, konservative Anti-Establishment-Bewegungen in ganz Europa zu stärken. Die für einen Diplomaten höchst ungewöhnlichen Äußerungen sorgten für scharfe Kritik in Deutschland, mehrere Politiker warfen Grenell eine Einmischung in innere Angelegenheiten vor.

Rückendeckung bekam Grenell, ein eifriger Verteidiger der Politik von US-Präsident Donald Trump, vom US-Außenministerium. "Botschafter haben ein Recht, ihre Meinung zu äußern", sagte die US-Außenministeriumssprecherin Heather Nauert am Dienstag in Washington. Botschafter seien zwar "Vertreter des Weißen Hauses", sie hätten aber das Recht auf freie Meinungsäußerung. "Manchmal sind es Ansichten, die die Leute vielleicht mögen oder nicht mögen."

"Ich glaube, dass Botschafter Grenell nur unterstreichen wollte, dass es Parteien und Kandidaten gibt, die in Europa derzeit gut abschneiden, sonst nichts", sagte Nauert weiter.

Derweil hielt die Kritik an Grenell in Deutschland an. Der ehemalige deutsche Botschafter in den USA, Jürgen Chrobog, sagte im ZDF-"Morgenmagazin", Grenell habe "den schlechtesten Start" aller US-Botschafter in Deutschland hingelegt. Der 51-Jährige habe mit seiner Parteinahme für rechte Kräfte den Grundsatz "sträflich vernachlässigt", sich im Gastland nicht in die inneren Angelegenheiten einzumischen.

Die Linken-Vorsitzende Katja Kipping bezeichnete Grenell in der "Rheinischen Post" als Vertreter einer "autoritären Rechten", mit denen die "Kriegsgefahr" zunehme.

Grenell hatte den Botschafterposten in Berlin vor rund einem Monat angetreten. Er sorgte seitdem wiederholt mit umstrittenen Äußerungen für Unmut.

In einem Interview mit dem Magazin "Bunte" beteuerte er nun, Deutschland und die USA würden "im selben Team" spielen. "Wir glauben an Demokratie und Menschenrechte. Auch wenn wir mal nicht übereinstimmen, sind wir uns im Grunde sehr nah".

Zugleich lobte der US-Botschafter Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) für ihre "Ernsthaftigkeit und ihre Herangehensweise an politische Dinge". Merkel erwarte "Resultate und nicht Prunk oder Glamour".


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