05.06.2018, 18:11 Uhr

Beirut (AFP) Syrische Kurdenmiliz YPG verkündet Abzug von Truppen aus Manbidsch

Militärfahrzeuge der US-geführten Allianz in Manbidsch. Quelle: AFP/Delil souleiman (Foto: AFP/Delil souleiman)Militärfahrzeuge der US-geführten Allianz in Manbidsch. Quelle: AFP/Delil souleiman (Foto: AFP/Delil souleiman)

Türkei hatte mit Offensive auf Stadt mit US-Militärpräsenz gedroht

Angesichts von Drohungen der Türkei mit einer Offensive hat die syrische Kurdenmiliz YPG den Abzug ihrer Kämpfer aus der nordsyrischen Stadt Manbidsch angekündigt. Die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) teilten am Dienstag mit, sie würden die letzte Gruppe ihrer "Militärberater" aus der Stadt abziehen. Die Türkei fordert seit langem den Abzug der YPG aus Manbidsch und drohte andernfalls mit einem Angriff.

Die YPG hatte die Stadt westlich des Euphrats im August 2016 mit Unterstützung der US-Streitkräfte von der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) eingenommen. Die Türkei betrachtet jedoch die YPG wegen ihrer engen Verbindungen zur verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) als Bedrohung und will sie von ihrer Grenze vertreiben. Nach der Vertreibung der YPG aus der nordsyrischen Region Afrin im April drohte Ankara mit einer weiteren Offensive auf das 30 Kilometer südlich der türkischen Grenze gelegene Manbidsch.

In der Stadt sind zur Unterstützung der YPG US-Spezialkräfte stationiert. Ein türkischer Angriff auf die Stadt drohte daher, zu einer Konfrontation mit dem Nato-Partner USA zu führen. Seit einigen Monaten liefen Verhandlungen zwischen den Verbündeten, um den Konflikt zu entschärfen. Am Montag reiste der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu daher zu Gesprächen mit seinem US-Kollegen Mike Pompeo nach Washington.

Nach seiner Rückkehr am Dienstag verkündete Cavusoglu, es sei ein Fahrplan vereinbart worden, wonach die YPG-Einheiten vor ihrem Abzug aus Manbidsch die Waffen abgeben würden, die sie von den USA für den Kampf gegen die IS-Miliz erhalten hätten. Sobald der Plan für Manbidsch umgesetzt sei, würden ähnliche Fahrpläne für andere Städte unter Kontrolle der YPG umgesetzt, sagte der Außenminister laut der amtlichen türkischen Nachrichtenagentur Anadolu.

Anadolu meldete auch, nach dem Abzug der YPG werde es gemeinsame Einsätze von türkischen und US-Soldaten in Manbidsch geben. Doch der Militärrat der Stadt erklärte, er wisse nichts von derartigen gemeinsamen Operationen. Cavusoglu hatte vergangene Woche gesagt, die Türkei und die USA würden gemeinsam entscheiden, an welche örtlichen Kräfte die Kontrolle über die mehrheitlich von arabischen Sunniten bewohnte Stadt übergeben werde.

Ein ranghoher Mitarbeiter des US-Außenministeriums sagte Journalisten, die Umsetzung des Fahrplans sei "kompliziert" und werde lange dauern. Über zahlreiche Einzelheiten müsse noch verhandelt werden. Anadolu hatte vergangene Woche gemeldet, 45 Tage nach dem 4. Juni sollten gemäß dem Plan türkische und US-Soldaten in Manbidsch gemeinsame Inspektionen vornehmen. 60 Tage nach diesem Termin solle dann eine örtliche Verwaltung für die Stadt gebildet werden. Diese solle an die Stelle der Räte treten, der jetzt noch die YPG angehörten.

Pompeo lobte unterdessen am Dienstag in einer Erklärung den Einsatz der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF), deren Rückgrat die YPG bilden, gegen IS-Schlupfwinkel im Nordosten Syriens, unter anderem in Daschischa nahe der Grenze zum Irak. Die SDF hätten Washingtons "vollständiges Vertrauen", bekräftigte der Außenminister.

IS-Kämpfer töteten nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte im Osten des Landes mindestens 45 syrische Soldaten. Seit dem Beginn ihrer Offensive am Sonntag eroberten sie demnach vier Dörfer im Euphrat-Tal von den Regierungstruppen zurück. Dabei seien auch 26 IS-Kämpfer getötet worden.

Laut der Beobachtungsstelle wurden zudem elf Zivilisten bei einem Luftangriff der internationalen Anti-IS-Koalition in der nordöstlichen Provinz Hassake getötet. Unter den Opfern des Angriffs am Montagmorgen seien auch fünf Kinder, erklärte die Organisation, die den bewaffneten Regierungsgegnern nahe steht und ihre Informationen von Aktivisten vor Ort bezieht. Für Medien sind diese kaum zu überprüfen.


0 Kommentare