04.06.2018, 12:17 Uhr

Paris (AFP) Unesco: Antisemitismus nicht nur im Geschichtsunterricht ansprechen

"Gegen Vorurteile und Ignoranz": Unesco-Chefin Azoulay. Quelle: AFP/Archiv/Eric FEFERBERG (Foto: AFP/Archiv/Eric FEFERBERG)"Gegen Vorurteile und Ignoranz": Unesco-Chefin Azoulay. Quelle: AFP/Archiv/Eric FEFERBERG (Foto: AFP/Archiv/Eric FEFERBERG)

UN-Kulturorganisation veröffentlicht erstmals Leitfaden für Lehrer

Die Unesco hat erstmals einen Leitfaden gegen Antisemitismus an Schulen vorgestellt. Damit will die UN-Kulturorganisation Lehrern und anderen Bildungsbeauftragten helfen, "gegen Vorurteile und Ignoranz anzugehen", wie Generalsekretärin Audrey Azoulay der Nachrichtenagentur AFP anlässlich der Vorstellung am Montag in Paris sagte. Die Unesco rät unter anderem dazu, das Thema Antisemitismus nicht nur im Geschichtsunterricht anzusprechen.

Antisemitismus schaffe zusammen mit Rassismus und Fremdenhass ein "vergiftetes Klima, in dem sich Extremismus, Terrorismus und Kriminalität ausbreiten", heißt es in dem Vorwort zu dem Leitfaden, der in Zusammenarbeit mit der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) entstand.

In dem 92-seitigen Dokument heißt es: "Unterricht über den Holocaust (...) ist kein Ersatz für Unterricht über Antisemitismus." Wenn Vorurteile gegen Juden nur im Kontext der Vernichtung von mehr als sechs Millionen Menschen durch die Nazis beleuchtet würden, "könnten Schüler darauf schließen, dass Antisemitismus kein Thema mehr ist oder seine heutigen Formen verkennen".

Vielmehr rät die Unesco dazu, Schüler über antisemitische Stereotypen aufzuklären und mit ihnen Argumente gegen Holocaust-Leugner zu erarbeiten. Als beispielhaft wird in dem Leitfaden etwa die deutsche Initiative "Schule ohne Rassismus" bezeichnet, die sich unter anderem mit islamistischem Antisemitismus befasst hat.


0 Kommentare