04.06.2018, 12:48 Uhr

Kabul (AFP) Mindestens sieben Tote bei Anschlag auf Treffen von Religionsführern in Kabul


Kleriker verurteilten Anschläge kurz zuvor als Sünde

Bei einem Selbstmordanschlag auf eine Versammlung von Religionsführern in der afghanischen Hauptstadt Kabul sind am Montag mindestens sieben Menschen getötet worden. Die Geistlichen aus ganz Afghanistan hatten nur kurz zuvor Anschläge als unislamisch verurteilt. Zunächst bekannte sich niemand zu der Tat. Die radikalislamischen Taliban wiesen jede Verantwortung von sich.

Mindestens neun weitere Menschen wurden laut Polizei bei der Explosion verletzt. Bei der Mehrheit der Toten und Verletzten handelte es sich um Zivilisten.

Ein Innenministeriumssprecher bestätigte, dass es sich um einen Selbstmordanschlag gehandelt habe. Nach ersten Informationen habe der Attentäter den Sprengsatz gezündet, als die Teilnehmer des Treffens gerade den Versammlungsort verlassen wollten, sagte Polizeisprecher Haschmat Staniksai dem Rundfunksender Tolo News.

Der Attentäter habe seinen Sprengstoff außerhalb eines Zeltes auf dem Campus der Polytechnischen Universität zur Detonation gebracht, in dem die Religionsführer eine sogenannte große Versammlung, eine Loja Dschirga, abhielten, sagte Staniksai. Zu dem Treffen im Westen Kabuls waren Medienberichten zufolge rund 3000 Geistliche angereist.

Die Taliban erklärten im Kurzmitteilungsdienst Twitter, sie hätten "nichts zu tun" mit dem Anschlag. Die Taliban und die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) hatten in den vergangenen Monaten ihre Attacken auf die afghanische Hauptstadt intensiviert. Mittlerweile gilt Kabul als der für Zivilisten gefährlichste Ort in dem Land. Allein 16 Prozent der im vergangenen Jahr landesweit getöteten 1831 Zivilisten starben in Kabul.

Etwa eine Stunde vor dem Anschlag hatte der Ulema-Rat, wie das Spitzengremium der afghanischen Geistlichkeit heißt, eine Fatwa gegen den anhaltenden gewaltsamen Konflikt im Land ausgesprochen. Selbstmordanschläge und Explosionen seien "haram" (verboten). Ähnliche sogenannte Rechtsauskünfte hatte der Rat bereits in der Vergangenheit ausgegeben.

"Ausführung, Finanzierung und Unterstützung solcher Taten sind gegen das Scharia-Recht", hieß es in der von der Regierung via Twitter verbreiteten Erklärung der Kleriker weiter. Blutvergießen im Namen des Dschihad in Afghanistan habe keine "Legitimität". Die Geistlichen forderten die Taliban und die Regierung zu Verhandlungen auf.

Kurz nach dem Selbstmordanschlag explodierte auf einem rund sieben Kilometer entfernten Markt in Kabul ebenfalls ein Sprengsatz. Laut Polizei wurden zahlreiche Zivilisten verletzt, die genaue Zahl war zunächst unklar.


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