03.06.2018, 08:22 Uhr

Gaza (AFP) Israel bombardiert nach Beschuss aus Gazastreifen wieder Hamas-Stellungen


Tausende Palästinenser nehmen an Trauerfeier für getötete Sanitäterin teil

Die Feuerpause in Nahost ist nach wenigen Tagen gescheitert: Als Reaktion auf Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen hat die israelische Armee Luftangriffe auf militärische Ziele in dem Palästinensergebiet geflogen. Die Kampfflugzeuge hätten "Terrorstandorte" der radikalislamischen Hamas bombardiert, teilte die Armee am Sonntag mit. Wenige Stunden vor dem jüngsten Gewaltausbruch hatten tausende Palästinenser Abschied genommen von einer Sanitäterin, die von israelischen Soldaten erschossenen worden war.

Bei einer ersten Angriffswelle wurden nach Angaben der israelischen Armee zehn Militäreinrichtungen der Hamas getroffen, darunter zwei Anlagen zur Herstellung und Lagerung von Munition. Wenige Stunden später seien fünf weitere Ziele auf einem Marine-Stützpunkt im nördlichen Teil des Küstenstreifens bombardiert worden.

Die Angriffe waren nach Armeeangaben eine Reaktion auf den Abschuss von Raketen aus dem Gazastreifen auf den Süden Israels und auf "verschiedene terroristische Aktivisten", welche die Hamas im Laufe des Wochenendes "gebilligt und organisiert" habe, darunter Anschlagsversuche auf israelische Grenzsoldaten. Aus dem Gazastreifen wurden zunächst keine Opfer gemeldet.

Anfang der Woche hatten sich islamistische Gruppen im Gazastreifen und die israelische Armee die schwersten Auseinandersetzungen seit dem Gazakrieg im Jahr 2014 geliefert. Die Konfrontation begann mit dutzenden Raketen- und Granatangriffen aus dem Gazastreifen auf Israel. Die israelische Armee reagierte mit massiven Luftangriffen. Am Mittwoch stellten beide Seiten ihre Angriffe vorerst ein, nachdem die Milizen der Hamas und des Islamischen Dschihad eine Waffenruhe verkündet hatten, die von Israel aber offiziell nicht anerkannt wurde.

Die Gewalt in Nahost war auch Thema im UN-Sicherheitsrat, dessen Mitglieder sich aber nicht auf eine gemeinsame Haltung einigen konnten. Die USA blockierten am Freitag mit ihrem Veto einen Resolutionsentwurf, der zum Schutz der Palästinenser aufrief. Auch eine von den USA eingebrachte Resolution, die sich gegen die Hamas richtete, scheiterte im Sicherheitsrat.

Die Kampfpause endete schließlich Samstagabend, als nach Angaben Israels zwei Raketen aus dem Gazastreifen auf den Süden Israels abgefeuert wurden. Ein Geschoss konnte demnach abgefangen werden, das zweite schlug noch im Gazastreifen ein. Vier weitere Geschosse wurden demnach am Sonntag in den früheren Morgenstunden abgefeuert. Drei davon wurden abgefangen, eines schlug offenbar in unbewohntem Gebiet ein. Zu den Angriffen bekannte sich zunächst keine Gruppe.

Die jüngsten Angriffe auf Israel erfolgten wenige Stunden nach der Trauerfeier für eine getötete Rettungssanitäterin. Tausende Menschen nahmen am Samstag Abschied von der 21-Jährigen, die tags zuvor bei Protesten in der Nähe des Grenzzauns bei Chan Junis von israelischen Soldaten erschossen worden war. Auch viele Sanitäter waren unter den Trauergästen. Der Vater der Frau trug die blutbefleckte Uniformjacke seiner Tochter durch die Straßen. Teilnehmer der Trauerfeier forderten Rache für den Tod der jungen Frau.

Die 21-Jährige war nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Gaza eine Freiwillige des Ministeriums, die bei dem Einsatz die weiße Uniform der medizinischen Helfer getragen hatte. Die israelische Armee erklärte am Samstag, der Fall werde noch untersucht.

Nach dem Begräbnis der Sanitäterin wurden mehrere Palästinenser bei Zusammenstößen östlich von Chan Junis verletzt, wie ein Sprecher des Gesundheitsministeriums in Gaza mitteilte. Die israelische Armee erklärte, eine "Terrorzelle" sei vom südlichen Gazastreifen aus nach Israel eingedrungen. Soldaten hätten auf die Palästinenser geschossen, die daraufhin in den Gazastreifen zurückgekehrt seien.

Im besetzten Westjordanland erschossen israelische Soldaten unterdessen einen palästinensischen Angreifer. Nach Armeeangaben wollte der Mann am Samstag Soldaten in der Stadt Hebron mit einem Traktor überfahren. Daraufhin sei das Feuer auf ihn eröffnet worden. Die Soldaten blieben den Angaben zufolge unverletzt.

Seit mehr als zwei Monaten protestieren Palästinenser im Gazastreifen nahe dem Grenzzaun gegen Israel. Seit Beginn der Demonstrationen tötete die israelische Armee nach palästinensischen Angaben mehr als 120 Palästinenser. Auf israelischer Seite gab es mehrere Verletzte.


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