03.06.2018, 14:02 Uhr

Berlin (AFP) Gauland sorgt mit "Vogelschiss"-Äußerung über NS-Zeit für Empörung

Alexander Gauland. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Alexander Prautzsch (Foto: dpa/AFP/Archiv/Alexander Prautzsch)Alexander Gauland. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Alexander Prautzsch (Foto: dpa/AFP/Archiv/Alexander Prautzsch)

Bundespräsident kritisiert AfD-Vorsitzenden scharf

Der AfD-Vorsitzende Alexander Gauland hat zum wiederholten Mal mit provokativen Äußerungen massive Empörung ausgelöst. Auf einer Veranstaltung der AfD-Nachwuchsorganisation Junge Alternative im thüringischen Seebach bezeichnete er die Nazi-Diktatur als "Vogelschiss" der deutschen Geschichte. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier verurteilte jegliche Relativierung von Holocaust und Nazi-Diktatur scharf.

Gauland hatte am Samstag in einem Grußwort an die AfD-Jugend gesagt, Deutschland habe eine "ruhmreiche Geschichte" - und die habe länger gedauert als "die verdammten zwölf Jahre" der NS-Diktatur (1933-1945). "Ja, wir bekennen uns zu unserer Verantwortung für die zwölf Jahre", fügte Gauland laut im Internet veröffentlichten Videos hinzu. "Aber liebe Freunde: Hitler und die Nazis sind nur ein Vogelschiss in über 1000 Jahren erfolgreicher deutscher Geschichte."

Bundespräsident Steinmeier verurteilte bei einem Festakt zum zehnjährigen Jubiläum des Denkmals für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen in Berlin die Aussagen scharf. Wer "diesen einzigartigen Bruch mit der Zivilisation leugnet, klein redet oder relativiert,‎ der verhöhnt nicht nur die Opfer, sondern der will alte Wunden wieder‎ aufreißen und sät neuen Hass", sagte Steinmeier in seiner Rede. "Dem müssen wir uns gemeinsam entgegenstellen."

Auch Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) kritisierte den AfD-Parteichef und Fraktionsvorsitzenden. "Verantwortungsvoller Umgang mit den Abgründen der nationalsozialistischen Verbrechensherrschaft gehört zum Grundkonsens unseres demokratischen Rechtsstaats", sagte Schäuble der "Bild"-Zeitung (Montagsausgabe). Vertreter der anderen im Bundestag vertretenen Parteien reagierten fassungslos bis entsetzt auf Gaulands Aussagen.

Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, zeigte sich "empört" über den AfD-Politiker. "Der Holocaust, die systematische und industriell organisierte Vernichtung von über sechs Millionen Menschen, stellt ein bis dahin in der Weltgeschichte präzedenzloses Verbrechen dar", sagte Klein der "Welt".

Gauland hat in der Vergangenheit bereits mehrfach durch provokative Äußerungen und fehlende Abgrenzung zum rechten Rand der AfD für Empörung gesorgt. Auf einem Treffen der AfD-Rechtsaußen-Gruppe "Der Flügel" forderte er das Recht, wieder "stolz zu sein auf die Leistungen deutscher Soldaten in zwei Weltkriegen".

Auf einer Veranstaltung im Bundestagswahlkampf sagte der 77-Jährige, er wolle die damalige Integrationsbeauftragte Aydan Özoguz (SPD) "in Anatolien entsorgen". Daraufhin hatte es mehrere Anzeigen gegen Gauland wegen Volksverhetzung gegeben.

SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil forderte in der "Welt" eine "klare und entschlossene Antwort" auf Gauland: "Im Parlament, in der Zivilgesellschaft und dort, wo es notwendig ist, auch juristisch."


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