01.06.2018, 08:32 Uhr

Leipzig (AFP) Bundesamt für Naturschutz rechnet mit Rückkehr von Bären nach Deutschland

Bär in Zoo in Rom. Quelle: AFP/Archiv/TIZIANA FABI (Foto: AFP/Archiv/TIZIANA FABI)Bär in Zoo in Rom. Quelle: AFP/Archiv/TIZIANA FABI (Foto: AFP/Archiv/TIZIANA FABI)

Behördenchefin: Wahrscheinlichkeit recht hoch

Der Wolf ist in Deutschland längst wieder sesshaft geworden - nach Einschätung des Bundesamts für Naturschutz (BfN) könnte in Zukunft auch der Bär zurückkehren. "Angesichts der Bärenpopulationen zum Beispiel in Norditalien oder in Slowenien ist die Wahrscheinlichkeit recht hoch, dass irgendwann auch Braunbären wieder in Deutschland sesshaft werden", sagte die Präsidentin der Behörde, Beate Jessel, der Berliner "Tageszeitung" vom Freitag.

Es gebe genügend Länder in Europa oder in Nordamerika, wo nicht nur Wölfe, sondern auch Bären bereits sehr lange neben dem Menschen existierten. Dies zeige, dass dies möglich sei.

"Es gibt immer ein Restrisiko bei wilden Tieren", sagte Jessel. Aber die Wahrscheinlichkeit einer unangenehmen Begegnung mit einem Bären oder einem Wolf sei "ausgesprochen gering". Wichtig sei es, in Gebieten, wo diese Tiere zuwanderten, die Bevölkerung aufzuklären, wie sie sich verhalten solle. Zudem gelte es, konsequente Maßnahmen zum Schutz der Weidetiere umzusetzen.

Schäfer und Bauern müssen vom Staat genügend Geld bekommen, um Schafe und andere Weidetiere vor Übergriffen durch Wölfe oder womöglich Bären zu schützen, forderte Jessel. Das Risiko, das von Wildtieren ausgehe, müsse aber in Relation gesetzt werden "zu anderen Gefahren, denen wir uns täglich aussetzen". "Man muss sich allein mal anschauen, wie viele Menschen in Deutschland durch Wildschweine oder Haushunde verletzt werden oder sogar zu Tode kommen", betonte die BfN-Präsidentin.

Der Bär ist nach der Europäischen Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie eine streng geschützte Art. Auch in Deutschland ist er ebenso wie Wolf und Luchs nach dem Bundesnaturschutzgesetz streng geschützt.

In Deutschland tauchte in den vergangenen Jahrzehnten erst einmal ein Bär auf - vor zwölf Jahren wanderte ein junger Braunbär aus Norditalien in den deutschen Alpenraum ein. Es war der erste Bär, der 171 Jahre nach der Ausrottung wieder Deutschland betrat. Der Bär namens Bruno wurde allerdings im Sommer 2006 in Bayern erschossen, weil das Tier auf der Suche nach Nahrung auch in Siedlungsnähe plünderte und ihm die Scheu vor Menschen fehlte. Er galt daher als "Problembär".

Auch die Ausbreitung des Wolfs führt immer wieder zu Konflikten mit Menschen. Vor allem Bauern- und Jagdverbände fordern deshalb ein Eingreifen der Politik. Derzeit leben schätzungsweise 150 bis 160 erwachsene Wölfe in Deutschland - zuletzt wurden 60 Wolfsrudel, 13 Wolfspaare und drei sesshafte Einzelwölfe bestätigt. Zudem gibt es etwa 77 Luchse in Deutschland, überwiegend im Harz und im Bayerischen Wald.


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