31.05.2018, 08:41 Uhr

Berlin (AFP) Umfrage: Mehrheit für Widerspruchslösung bei Organspende

Am Samstag ist Tag der Organspende. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Caroline Seidel (Foto: dpa/AFP/Archiv/Caroline Seidel)Am Samstag ist Tag der Organspende. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Caroline Seidel (Foto: dpa/AFP/Archiv/Caroline Seidel)

Barmer-Chef fordert strengere Vorgaben für Transplantationszentren

Eine Mehrheit der Deutschen spricht sich dafür aus, dass grundsätzlich jeder im Todesfall automatisch Organspender sein sollte. In einer Umfrage der Krankenkasse Barmer, die AFP am Donnerstag vorlag, sprachen sich 58 Prozent für die Einführung der sogenannten Widerspruchslösung aus. Nach dieser Regelung, die bereits in 18 EU-Staaten gilt, wird eine Zustimmung zur Organspende vorausgesetzt, wenn ein Mensch dem zu Lebzeiten nicht aktiv widerspricht.

Zuletzt hatte die Ärzteschaft gefordert, die Wiederspruchslösung in das Transplantationsgesetz aufzunehmen. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) lehnt das aber ab.

In Deutschland gilt die sogenannte Entscheidungslösung. Jeder über 16 Jahre wird von seiner Krankenkasse in regelmäßigen Abständen aufgefordert, eine freiwillige Erklärung über seine Bereitschaft zur Organspende abzugeben. Wird dies nicht dokumentiert, dann werden im Todesfall die Angehörigen befragt, ob sie im Sinn des Verstorbenen einer Spende zustimmen oder nicht.

Wie die Umfrage unter 1000 Barmer-Versicherten weiter zeigt, haben 36 Prozent bereits einen Organspendeausweis. Das sind sechs Prozentpunkte mehr als 2017 und deckt sich mit aktuellen Zahlen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Frauen besitzen mit 39 Prozent demnach häufiger als Männer mit 31 Prozent einen Spenderausweis.

Fast ein Drittel der Frauen (30 Prozent) hat sich schon einmal intensiv mit dem Thema Organspende beschäftigt. Bei den Männern ist es nur etwas mehr als jeder Fünfte (22 Prozent). Zuerst hatte die "Rheinische Post" über die Umfrage berichtet.

"Jeder soll frei und gut informiert entscheiden können und diese Entscheidung auf dem Organspendeausweis dokumentieren", erklärte Barmer-Chef Christoph Straub. Mit Kampagnen allein werde man dem Thema jedoch nicht gerecht. Für mehr Vertrauen seien auch strukturelle Veränderungen nötig.

"Wir brauchen strengere Qualitätsvorgaben für Transplantationszentren, etwa durch gesetzlich fixierte Mindestmengen für Transplantationen", forderte Straub. Zudem müssten Transplantationszentren und die mit der Nachsorge befassten Praxen enger zusammenwirken.

In Deutschland warten derzeit etwa zehntausend Menschen auf ein Spenderorgan. Zum Tag der Organspende am Samstag wird wieder verstärkt auf das Thema aufmerksam gemacht. Die zentrale Veranstaltung findet in diesem Jahr in Saarbrücken statt.


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