29.05.2018, 16:17 Uhr

Hamburg (AFP) Polizei durchsucht europaweit Wohnungen und Szenetreffs wegen G20-Krawallen

Nach den Krawallen in Hamburg. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Axel Heimken (Foto: dpa/AFP/Archiv/Axel Heimken)Nach den Krawallen in Hamburg. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Axel Heimken (Foto: dpa/AFP/Archiv/Axel Heimken)

Einsätze in Italien, Frankreich, Spanien und der Schweiz

Mit Polizeieinsätzen in vier europäischen Ländern hat die Hamburger Sonderkommission ihre Ermittlungen zur Gewalt um den G20-Gipfel ausgeweitet. In Spanien, Italien, Frankreich und der Schweiz seien am Dienstag Verdächtige befragt sowie Wohnungen und linke Szenetreffs durchsucht worden, teilte die Polizei mit. Hamburgs Polizeipräsident Ralf Meyer sprach von einem "ersten wichtigen Schritt zur Ermittlung von Personen, die während des G20-Gipfels schwere Straftaten begingen".

Von der grenzübergreifenden Aktion sollte nach Meyers Angaben ein Signal ausgehen: Die Gewalttäter müssten damit rechnen, dass "nicht alles im Dunkeln" bleibe, sagte der Polizeipräsident dem NDR. "Der Arm des Justizwesens reicht bis nach Italien, Frankreich, der Schweiz oder nach Spanien."

Nach Angaben der Hamburger Polizei richteten sich die Einsätze gegen sieben Verdächtige, die in Hamburg "aus der Gruppe heraus eine Vielzahl an schweren Straftaten" begangen haben sollen. In Spanien, Italien und der Schweiz seien jeweils drei Objekte durchsucht worden, in Frankreich sei es um die Fahndung nach einem Verdächtigen gegangen.

Die Beamten hätten Computer, Mobiltelefone, Speichermedien und Vermummungsmaterial sichergestellt, erklärte die Polizei. Die Einsätze seien "störungsfrei" verlaufen. Grundlage seien Durchsuchungsbeschlüsse des Amtsgerichts Hamburg gewesen. Festnahmen wurden nicht gemeldet.

In der spanischen Hauptstadt Madrid durchsuchten die Fahnder nach Angaben des Innenministeriums zwei besetze Häuser und ein weiteres Objekt. Bei den Ermittlungen seien drei spanische Männer identifiziert worden, die am Rande des G20-Gipfels in Hamburg "beträchtliche Sachschäden" verursacht hätten und an "gewaltsamen Aktionen gegen Polizisten" beteiligt gewesen seien, erklärte das Ministerium in Madrid.

Im schweizerischen Kanton Aargau befragte die Staatsanwaltschaft einen 27-jährigen Verdächtigen, wie die Nachrichtenagentur SDA berichtete. Bei der Befragung des Schweizers seien zwei Polizeibeamte aus Hamburg anwesend gewesen. Auf Bitten aus Hamburg seien in der Ortschaft Bremgarten mehrere Liegenschaften durchsucht worden.

In Frankreich fahndeten Ermittler nach Angaben der Hamburger Polizei nach einem Tatverdächtigen, der an den Ausschreitungen auf der Elbchaussee beteiligt gewesen soll. Dort waren unter anderem zahlreiche Autos in Brand gesteckt worden.

In Italien durchsuchte die Polizei nach NDR-Informationen mehrere Objekte - unter ihnen die Wohnung eines Mannes, der bereits in Hamburg wegen eines Angriffs auf Polizeibeamte verurteilt worden war. Inzwischen gingen die Ermittler auch davon aus, dass er auch an den Krawallen auf der Elbchaussee beteiligt war.

Die Sonderkommission "Schwarzer Block" der Hamburger Polizei wertete nach Behördenangaben vor den Einsätzen Videos aus, welche die Verdächtigen mit den Krawallen an der Elbchaussee am Morgen des 7. Juli 2017 in Verbindung brachten.

Mit dieser Methode sei die Polizei "durchaus in der Lage, einzelne Täter zu ermitteln", sagte Polizeichef Meyer dem NDR. Dies werde eine "wichtige" Wirkung auf potenzielle Täter haben. "Das ist die Botschaft, die hier von der gut funktionierenden europäischen Zusammenarbeit ausgeht."


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