29.05.2018, 17:46 Uhr

Lüttich (AFP) Mutmaßlicher Islamist tötet in Lüttich drei Menschen

Polizei und Rettungswagen in Lüttich. Quelle: TWITTER/AFP/Victor JAY (Foto: TWITTER/AFP/Victor JAY)Polizei und Rettungswagen in Lüttich. Quelle: TWITTER/AFP/Victor JAY (Foto: TWITTER/AFP/Victor JAY)

Zwei Polizistinnen unter den Opfern - Ermittlungen wegen Terrorverdachts

Belgien ist einmal mehr von einem Anschlag auf Polizeibeamte erschüttert worden: Ein Angreifer mit Kontakten in die Islamistenszene erschoss am Dienstag in der Innenstadt von Lüttich zwei Polizistinnen und einen jungen Mann. Der Mann, der nach Angaben aus Ermittlerkreisen auf einer Gefährderliste stand, wurde schließlich von Spezialkräften getötet. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des "Verdachts auf eine terroristische Straftat".

Die Gewalttat ereignete sich gegen 10.30 Uhr im Zentrum der nahe der Grenze zu Deutschland gelegenen Stadt. Nach Angaben von Staatsanwalt Philippe Dulieu griff der Mann die Polizistinnen hinterrücks mit einem Messer an. Er stach mehrmals auf sie ein und erschoss sie schließlich mit ihren eigenen Dienstwaffen. "Dann eröffnete er das Feuer auf ein geparktes Auto und tötete einen 22-jährigen Mann auf dem Beifahrersitz", sagte Dulieu.

Der Angreifer flüchtete in eine Schule, wo er eine Angestellte kurzzeitig als Geisel nahm. Als eine Spezialeinheit der Polizei anrückte, verließ er das Gebäude und eröffnete das Feuer auf die Beamten, bevor er erschossen wurde. Vier Polizisten wurden verletzt, die Geisel blieb unversehrt. Der Tatort wurde weiträumig abgesperrt. Besorgte Eltern eilten zu der Schule, um ihre Kinder abzuholen.

Die Ermittlungen deuten offenbar auf einen islamistischen Tathintergrund hin. Der Name des Täters habe wegen dessen Verbindungen zu Islamisten auf einer Überwachungsliste der Polizei gestanden, verlautete aus Ermittlerkreisen. Es werde vermutet, dass sich der Angreifer im Gefängnis radikalisiert habe.

Demnach war der 1982 geborene Benjamin H. ein wegen Raubüberfällen, Gewalttaten und Drogenhandels verurteilter Kleinkrimineller. Er saß seit 2003 in Haft und befand sich auf Freigang. Den Angaben zufolge beging er bereits am Montagabend in Südbelgien einen Mord. Die Staatsanwaltschaft bestätigte eine Verbindung zwischen den beiden Taten zunächst nicht. Laut Belgiens Justizminister Koen Geens hatte der Täter in der Vergangenheit etwa zwanzig Mal Freigang erhalten, ohne dass es zu Zwischenfällen kam.

Die Ermittler gehen davon aus, dass es sich um ein gezieltes Attentat auf Polizisten handelte. "Offenkundig war es das Ziel des Attentäters, die Polizei zu attackieren", sagte Lüttichs Polizeichef Christian Beaupère. Vier Beamte seien bei dem Angriff verletzt worden. Einer von ihnen habe eine Verletzung der Oberschenkelarterie erlitten, er schwebe aber nicht mehr in Lebensgefahr.

Belgien war in den vergangenen Jahren Schauplatz mehrerer Angriffe auf Militärangehörige oder Polizeibeamte. Die letzte als "terroristisch" eingestufte Attacke ereignete sich im August 2017, als ein 30-jähriger Mann Soldaten im Zentrum von Brüssel mit einem Messer angriff.

Der belgische Premierminister Charles Michel bezeichnete den Angriff von Lüttich als "feige und blinde Gewalt". "Unsere Gedanken sind bei den Opfern dieser abscheulichen Tat in Lüttich", erklärte der belgische Innenminister, Jan Jambon, im Kurzbotschaftendienst Twitter. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron verurteilte die "schreckliche Attacke". Er sicherte den Belgiern die Solidarität der Franzosen zu.

Seit den Pariser Anschlägen mit 130 Toten im November 2015, die wesentlich in Brüssel geplant worden waren, war Belgien in erhöhter Alarmbereitschaft. Im März 2016 wurden zudem bei Attacken in Brüssel 32 Menschen getötet. Zu beiden Anschlägen hatte sich die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) bekannt.

Am 22. Januar senkte Belgien nach drei Jahren die Terrorwarnstufe. Der belgische Antiterror-Stab Ocam beschloss am Dienstag, die Alarmstufe zwei beizubehalten - demnach ist ein Terroranschlag "wenig wahrscheinlich".


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