29.05.2018, 18:45 Uhr

Gaza (AFP) Israel reagiert mit massiven Luftangriffen im Gazasteifen auf Granatenbeschuss


Marine stoppt palästinensische Protestflotte aus Gaza

Israel hat am Dienstag mit massiven Luftangriffen im Gazasteifen auf vorhergehenden Granatenbeschuss aus dem Palästinensergebiet reagiert. Die israelische Armee bombardierte nach Angaben eines Sprechers mehr als 30 Ziele im Gazastreifen, darunter einen Tunnel sowie militärische Infrastruktur der radikal-islamischen Hamas und des Islamischen Dschihad. Zudem stoppte die israelische Marine ein palästinensisches Schiff, das ein Zeichen gegen die Seeblockade des Gazastreifens setzen wollte.

Die israelischen Luftangriffe im Gazastreifen seien die umfangreichsten seit dem Jahr 2014 gewesen, sagte der Armeesprecher. Aus palästinensischen Sicherheitskreisen hieß es zunächst, eine Stellung der Hamas und vier Stellungen des Islamischen Dschihad seien getroffen worden. Ein Sprecher der im Gazastreifen regierenden Hamas bestätigte, dass Stellungen des "Widerstands" getroffen worden seien.

Zuvor waren vom Gazastreifen aus nach Angaben der israelischen Armee rund 30 Mörsergranaten auf den Süden Israels abgefeuert worden. Die meisten seien am Dienstagmorgen abgefangen worden. Drei israelische Soldaten wurden nicht lebensgefährlich verletzt. Nach Angaben eines Armeesprechers explodierte eine Granate in der Nähe eines Kindergartens, der beschädigt worden sei. Kinder hielten sich dort nicht auf.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu kündigte nach den Granatenangriffen an, sein Land nehme die Angriffe "sehr ernst". Die Armee werde darauf "kraftvoll" reagieren. Dem israelischen Inlandsgeheimdienst Schin Bet zufolge handelte es sich um die stärksten Mörserangriffe vom Gazastreifen aus auf Südisrael seit dem Gazakrieg im Jahr 2014.

Am Dienstagabend bekannten sich die Milizen der Hamas und des Islamischen Dschihad zu dem Granatenbeschuss. Sie begründeten diesen in einer gemeinsamen Erklärung mit Angriffen der israelischen Armee auf ihre Stellungen im Gazastreifen während der vergangenen Tage.

Ebenfalls am Dienstag stachen aus Protest gegen die israelische Seeblockade des Gazastreifens ein größeres Schiff mit einer rund 20-köpfigen Besatzung und mehrere kleinere Boote vom Hafen der Stadt Gaza in See. Sie wurden jedoch rasch aufgehalten.

Israelische Soldaten hätten das größte der Schiffe eingekreist und aufgebracht, sagte einer der Organisatoren der Protestaktion, Salah Abdul Atti, der Nachrichtenagentur AFP am Nachmittag. Die Besatzung des Protestschiffs - Kranke und Arbeitslose aus dem Gazastreifen - werde zum Hafen der israelischen Stadt Aschdod gebracht, sagte Atti.

Die israelischen Streitkräfte bestätigten die Schilderungen zunächst nicht. Ein Armeesprecher sagte lediglich, das Schiff unternehme einen "illegalen Versuch, eine legale Seeblockade" zu durchbrechen. Die Blockadegrenze verläuft neun Seemeilen (16 Kilometer) vor der Küste des Gazastreifens.

Zur Begründung der Protestfahrt sagte Issam Hamad, einer der Organisatoren: "Wir senden eine klare Botschaft an Israel und den Rest der Welt, dass die Blockade aufgehoben werden muss." Die Menschen in Gaza hätten "die Nase voll von ihrem Leben", sagte Hamad und betonte, es handele sich um eine "absolut friedliche Aktion", die nicht gegen Israel gerichtet sei.

Die Aktion fand am Jahrestag des Angriffs auf das Hauptschiff einer Hilfsflotte statt, die vor acht Jahren die Seeblockade überwinden und Hilfsgüter in den abgeriegelten Gazastreifen bringen wollte. Die israelische Armee stürmte damals die "Mavi Marmara". Bei dem Militäreinsatz im Jahr 2010 wurden zehn türkische Aktivisten getötet.


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