28.05.2018, 12:58 Uhr

Gütersloh (AFP) Studie: Kita-Beiträge belasten einkommensschwache Familien überproportional

Garderobe in einer Kita. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Christian Charisius (Foto: dpa/AFP/Archiv/Christian Charisius)Garderobe in einer Kita. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Christian Charisius (Foto: dpa/AFP/Archiv/Christian Charisius)

Bertelsmann-Stiftung: Beiragsfreiheit kostet Milliarden

Einkommensschwache Familien werden durch Kitagebühren überproportional stark belastet. Haushalte unterhalb der Armutsrisikogrenze müssen einen fast doppelt so hohen Anteil ihres Einkommens für die Beiträge aufbringen wie wohlhabendere Familien, wie eine am Montag veröffentlichte Studie der Bertelsmann-Stiftung ergab. Für Beitragsfreiheit bei einem gleichzeitigen Qualitätsausbau sind demnach mehr als 15 Milliarden Euro pro Jahr zusätzlich erforderlich.

Eltern, die weniger als 60 Prozent eines durchschnittlichen Einkommens zur Verfügung haben, zahlen laut der Studie monatlich durchschnittlich 118 Euro und damit zehn Prozent ihres Einkommens für die Kindertagesstätte. Bei Eltern, die oberhalb der Armutsrisikogrenze leben, sind es demnach mit im Durchschnitt 178 Euro nur rund fünf Prozent der Einkommens.

Ärmere Familien werden auch durch Ausgaben für Ausflüge, Essen oder Bastelmaterialien stärker belastet. Sie zahlen dafür laut der Bertelsmann-Stiftung 3,3 Prozent ihres Haushaltsnettoeinkommens, während wohlhabendere Familien dafür lediglich 1,4 Prozent ihres Einkommens aufbringen müssen.

Für eine generelle Beitragsfreiheit müsste der Staat den Berechnungen der Stiftung zufolge jährlich rund 5,7 Milliarden Euro aufbringen, für Zusatzgebühren weitere 1,6 Milliarden Euro. Insgesamt kommt die Stiftung bei einem gleichzeitigen Qualitätsaufbau auf eine Summe von 15,3 Milliarden Euro jährlich.

Der Bund habe allerdings bislang nur 3,5 Milliarden Euro für die aktuelle Legislaturperiode zugesagt. "Bei der Kita-Finanzierung klaffen Anspruch und Wirklichkeit weit auseinander", kritisierte Stiftungsvorstand Jörg Dräger.

Die Mehrheit der Eltern ist laut der Studie sogar bereit, für eine bessere Qualität mehr zu bezahlen. So würden der Stiftung zufolge 59 Prozent der Eltern oberhalb der Armutsrisikogrenze für mehr Personal und bessere Ausstattung höhere Beiträge akzeptieren. Dies gilt auch für 53 Prozent der Eltern unterhalb dieser Schwelle.

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) erklärte zu der Studie, die eingeplanten 3,5 Milliarden Euro für die Kindertagesbetreuung seien eine "gute Grundlage für qualitative Verbesserungen", von denen Kinder, Familien und Erzieher profitieren würden.

Weil Fachkräfte fehlten, werde der Bund parallel zum Gute-Kita-Gesetz eine Fachkräfteoffensive auf den Weg bringen, erklärte Giffey. "An dem Konzept dafür arbeiten wir gerade." Wichtig sei aber auch, dass Erzieher besser bezahlt werden müssten.

Wohlfahrtsverbände forderten mehr Unterstützung für ärmere Familien. Es sei nicht vermittelbar, "dass nach wie vor Kinder von Spitzenverdienern vom Staat insgesamt deutlich höher gefördert werden als Kinder von Normalverdienern und insbesondere die ärmsten Familien bei vielen Maßnahmen sogar ganz leer ausgehen", kritisierte der Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbands, Ulrich Schneider.

Der Bundesvorsitzende der Arbeiterwohlfahrt, Wolfgang Stadler, mahnte, das Gebot der Stunde sei "Gebührenfreiheit, zumindest aber Gebührengerechtigkeit".

Der Deutsche Städtetag verwies auf eingeschränkte Möglichkeiten der Kommunen. Die Städte wollten, dass die bereitgestellten Gelder sowohl in eine bessere Qualität als auch in den Ausbau des Angebots flössen, erklärte Hauptgeschäftsführer Helmut Dedy. Weil bereits diese beiden Ziele viel Geld kosteten, "erscheint den Städten der Spielraum für eine Entlastung der Eltern begrenzt".


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