27.05.2018, 13:59 Uhr

Bogotá (AFP) Kolumbianer wählen erstmals seit Friedensschluss mit der Farc neuen Staatschef

Kabinen in Cali für die Präsidentschaftswahl . Quelle: AFP/Luis ROBAYO (Foto: AFP/Luis ROBAYO)Kabinen in Cali für die Präsidentschaftswahl . Quelle: AFP/Luis ROBAYO (Foto: AFP/Luis ROBAYO)

Stichwahl am 17. Juni wahrscheinlich

Die Kolumbianer haben am Sonntag erstmals seit dem Friedensabkommen von 2016 mit der Farc-Guerilla einen neuen Präsidenten gewählt. Die Wahllokale öffneten um 8.00 Uhr (15.00 Uhr MESZ) in dem südamerikanischen Land. Der Urnengang entscheidet auch über die Zukunft des Friedensabkommens. Der Favorit in den Meinungsumfragen, Iván Duque von der ultrarechten Partei Demokratisches Zentrum, will die Vereinbarung im Fall seines Sieges überarbeiten.

Der 41-jährige Senator Duque von der ultrarechten Partei Demokratisches Zentrum (Centro democrático, CD) lehnt auch die Friedensgespräche mit den noch nicht entwaffneten ELN-Rebellen ab. Für den Anwalt und Ökonomen Duque, zu dessen Wahlbündnis evangelikale Politiker gehören, wollten in Umfragen zuletzt 41 Prozent der Wähler stimmen. Damit lag er zwölf Prozentpunkte vor seinem Konkurrenten Gustavo Petro.

Der auf Platz zwei liegende Petro von der Bewegung Menschliches Kolumbien unterstützt das Abkommen und will einen ähnlichen Pakt mit der ELN-Guerilla schließen. Der 58-jährige ehemalige Bürgermeister der Hauptstadt Bogotá entstammt den Reihen der Guerillaorganisation M-19. Diese wurde bereits 1990 zu einer politischen Partei, die seitdem einen gemäßigten Kurs verfolgt.

Die übrigen Kandidaten dürften abgeschlagen hinter Petro folgen: der rechte ehemalige Vizepräsident Germán Vargas, der Vertreter der Liberalen Partei und ehemalige Friedensdelegierte der Regierung, Humberto de la Calle, und der Mitte-links-Politiker Sergio Fajardo. Keinem von ihnen wird den Umfragen zufolge zugetraut, auf mehr als zehn Prozent der Stimmen zu kommen.

Weitere Themen des Wahlkampfs waren unter anderem die soziale Ungerechtigkeit, die grassierende Korruption und die Drogenmafia. Da weder auf Duque noch auf Petro mehr als 50 Prozent der Stimmen entfallen dürften, ist damit zu rechnen, dass es am 17. Juni einen zweiten Wahlgang gibt. Wahlberechtigt sind etwa 36 Millionen Menschen.

In einem Referendum über das mit den Farc-Kämpfern im September 2016 geschlossene Friedensabkommen hatte eine knappe Mehrheit der kolumbianischen Bevölkerung den Vertrag abgelehnt - anders als in den Umfragen zuvor vorhergesagt.

Präsident Juan Manuel Santos, der für das Abkommen mit den Farc-Kämpfern von Ende 2016 den Friedensnobelpreis erhielt, scheidet am 7. August aus dem Amt. In einer Twitter-Botschaft zum Ende des Wahlkampfes appellierte der 66-Jährige an die Wähler, die "enorme Bedeutung" der Wahlen für Kolumbien zu bedenken. "Wir müssen damit weitermachen, Frieden zu schaffen", schrieb Santos.

Wegen der Präsidentschaftswahl werden die Friedensverhandlungen zwischen der Regierung und der Guerillaorganisation Nationales Befreiungsheer (ELN) vorübergehend unterbrochen. Die nächste Gesprächsrunde soll erst am 30. Mai beginnen.

Kurz vor der Wahl wurde ein ehemaliger Guerilla-Kämpfer festgenommen, der für einen Bombenanschlag auf Polizisten im Nachbarland Ecuador verantwortlich sein soll. Wie die ecuadorianische Regierung am Samstag in Quito mitteilte, wurde der Mann in einem Dorf im Bezirk Nariño im Südwesten Kolumbiens gefasst. Er sei für "verschiedene Terroranschläge" in beiden Ländern verantwortlich, darunter auch der Autobombenanschlag auf eine Polizeistation in San Lorenzo, bei dem Ende Januar rund 30 Menschen verletzt wurden.

Kolumbien und Ecuador gehen im Grenzgebiet gegen frühere Farc-Mitglieder vor, die sich dem Friedensprozess mit der kolumbianischen Regierung widersetzen. Der Festgenommene gehört einer Gruppe von abtrünnigen Farc-Rebellen an, die auch für die Verschleppung und Ermordung eines ecuadorianischen Reporterteams im März verantwortlich sein soll.


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