26.05.2018, 15:56 Uhr

Seoul (AFP) Staatschefs von Nord- und Südkorea treffen sich überraschend erneut

Moon und Kim bei ihrem Treffen in Panmunjom . Quelle: The Blue House/AFP/handout (Foto: The Blue House/AFP/handout)Moon und Kim bei ihrem Treffen in Panmunjom . Quelle: The Blue House/AFP/handout (Foto: The Blue House/AFP/handout)

Gespräche unter Eindruck von Verwirrspiel um mögliches Gipfeltreffen mit den USA

Überraschend sind der südkoreanische Präsident Moon Jae In und Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un zum zweiten Mal innerhalb eines Monats zu persönlichen Beratungen zusammengekommen. Sie trafen sich nach Angaben des südkoreanischen Präsidialamts am Samstag für rund zwei Stunden im Grenzort Panmunjom. Gesprochen worden sei bei dem vorab nicht angekündigten Gespräch unter anderem "über Wege, ein erfolgreiches Gipfeltreffen zwischen den USA und Nordkorea zu ermöglichen".

Hintergrund für das überraschende neuerliche Treffen der beiden Staatschefs war das jüngste diplomatische Verwirrspiel zwischen den USA und Nordkorea. US-Präsident Donald Trump hatte sein bislang für den 12. Juni geplantes Gipfeltreffen mit Kim am Donnerstag abgesagt, binnen eines Tages dann aber doch wieder für möglich erklärt.

Erst am 27. April waren Moon und Un in dem Grenzort Panmunjom in der entmilitarisierten Zone zwischen ihren beiden Staaten zu einem als historisch eingestuften innerkoreanischen Gipfel zusammengekommen. Dabei sprachen sie sich für einen Friedensschluss und eine atomwaffenfreie koreanische Halbinsel aus.

In der Mitteilung aus Seoul hieß es nun, Moon und Kim hätten bei ihrem neuen Treffen am Samstag über die Möglichkeiten gesprochen, ihre Vereinbarungen vom 27. April umzusetzen und für einen Erfolg eines Gipfeltreffens zwischen Nordkorea und den USA zu sorgen. Weitere Informationen gab es zunächst nicht. Moon wollte demnach am Sonntag eine Stellungnahme abgeben.

Der Konflikt um Nordkorea und dessen Atom- und Raketenprogramme beschäftigt die weltweite Staatengemeinschaft seit Jahrzehnten. Das weitgehend isolierte Land, dessen wichtigster Verbündeter China ist, verfügt nach Angaben der Führung in Pjöngjang über Atomwaffen, mit denen es seine Nachbarstaaten, aber auch die USA bedrohen könnte.

Seit Jahresbeginn hatte es im angespannten Verhältnis zwischen den USA und Nordkorea dann mehrere Wendungen gegeben. Im März hatte Kim den US-Präsidenten zu einem Gipfeltreffen eingeladen, was Trump annahm. In den vergangenen Wochen schwanden die Chancen auf das mögliche historische Treffen wieder.

Am Donnerstag sagte Trump das Gipfeltreffen unter Verweis auf "offene Feindseligkeit" Nordkoreas ab. Nachdem sich das Land trotzdem weiterhin offen für direkte Gespräche erklärte, änderte Trump erneut den Kurs und erklärte kaum 24 Stunden später, das geplante Gipfeltreffen sei weiter möglich.

Der Politologe Koh Yu Hwan von der Dongguk-Universität erklärte, das Treffen zwischen Moon und Kim am Samstag habe dazu gedient, die "durch Kommunikationspannen verursachten Missverständnisse zwischen Washington und Pjöngjang auszuräumen und die Grundlagen für den US-Nordkorea-Gipfel zu legen. Adam Mount von der US-Wissenschaftsvereinigung betonte, Südkoreas Staatschef Moon bleibe gar nichts anderes übrig, als sich weiter für Annäherung einzusetzen: "Er muss sein Volk vor einem Krieg beschützen."


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