26.05.2018, 11:09 Uhr

Dublin (AFP) Mehrheit in Irland stimmt für Ende des strikten Abtreibungsverbots

Wählerin in Irland. Quelle: AFP/Paul FAITH (Foto: AFP/Paul FAITH)Wählerin in Irland. Quelle: AFP/Paul FAITH (Foto: AFP/Paul FAITH)

Nachwahlbefragungen sehen das Ja-Lager deutlich vorn

Die Iren sagen Ja zu einem liberaleren Abtreibungsrecht: Bei dem Referendum über ein Ende des strengen Abtreibungsverbots in dem erzkatholischen EU-Land hat ersten Prognosen zufolge eine breite Mehrheit für eine Liberalisierung gestimmt. Nachwahlbefragungen zufolge stimmten am Freitag mehr als zwei Drittel der Teilnehmer für die Streichung des Abtreibungsverbots aus der Verfassung. Regierungschef Leo Varadkar erklärte, damit werde Irland "Geschichte schreiben".

Wie eine Nachwahlbefragung von 4000 Wählern durch das Institut Ipsos/MRBI im Auftrag der "Irish Times" ergab, stimmten 68 Prozent der Befragten für eine Aufhebung des Abtreibungsverbots, 32 Prozent votierten dagegen. Eine ähnliche Prognose lieferte eine weitere Nachwahlbefragung des Instituts Behaviour & Attitudes für den Fernsehsender RTE. Demnach stimmten von 3800 Befragten 69,4 Prozent für die Liberalisierung, 30,6 Prozent waren dagegen.

Varadkar, der für die Reform ist, feierte das Referendum am Freitagabend im Kurzbotschaftendienst Twitter als "Demokratie in Aktion". "Es sieht so aus, als würden wir morgen Geschichte schreiben", fügte der Regierungschef hinzu. Varadkars Stellvertreter Simon Conveney erklärte, der Ausgang des Referendums mache ihn "stolz, Ire zu sein". Das "tolle" Ergebnisse werde den Menschen in Irland eine "grundlegende Verbesserung" bringen.

Irland hat bisher innerhalb der EU eines der strengsten Gesetze zur Abtreibung. Fast 3,5 Millionen Bürger waren aufgerufen, über den achten Zusatzartikel der Verfassung zu entscheiden, der Schwangerschaftsabbrüche strikt untersagt. Die Auszählung der Stimmen begann am Samstagmorgen, das Endergebnis sollte im Laufe des Tages verkündet werden.

Wie die Befragung von Ipsos/MRBI ergab, votierten 70 Prozent der Frauen für eine Lockerung, 30 Prozent sprachen sich dagegen aus. Bei den Männern stimmten demnach 65 Prozent mit "Ja" und 35 Prozent mit "Nein". Bei älteren Wählern überwog demnach die Ablehnung: Eine Mehrheit der Wähler über 65 Jahre stimmte gegen die Liberalisierung. Bei den 18- bis 24-Jährigen dagegen überwog dem Institut zufolge das "Ja" mit 84 Prozent.

In der katholisch geprägten Republik Irland hat das strikte Verbot von Schwangerschaftsabbrüchen seit einem Referendum 1983 Verfassungsrang. Abtreibungen sind selbst bei Vergewaltigung, Inzest oder einer Missbildung des Fötus untersagt. Bei einer Abtreibung drohen Frauen bis zu 14 Jahre Haft. Seit 2013 sind Abtreibungen in seltenen Fällen erlaubt, wenn das Leben der Mutter in Gefahr ist.

Die Kampagne wurde emotional und erbittert geführt. Anders als vor dem Referendum 1983 hielt sich die katholische Kirche diesmal zurück - mehrere Skandale um Kindesmissbrauch hatten den Einfluss der in Irland einst übermächtigen Institution zuletzt schwinden lassen. 2015 hatten sich die Iren in einem Referendum bereits mit klarer Mehrheit für die Einführung der Homo-Ehe ausgesprochen.

Die irischen Abtreibungsgegner scheinen die Niederlage zu akzeptieren, inhaltlich bleiben sie aber hart. "Ein Recht auf Abtreibung würde Irland einen tragischen Schlag zu versetzen, aber die Lebensrechtsbewegung wird sich jeder Herausforderung stellen", sagte die bekannte Abtreibungsgegnerin Cora Sherlock. Der Sprecher der Kampagne "Rettet den Achten", John McGuirk, sagte, das Lebensrecht eines ungeborenen Kinder bestehe "unabhängig davon, was eine Mehrheit sagt".

Die Regierung hat angekündigt, im Falle eines Siegs des Ja-Lagers Abtreibungen in den ersten zwölf Schwangerschaftswochen straffrei zu stellen. Bei bestimmten Indikationen soll sie bis zur 24. Woche erlaubt sein. Im irischen Parlament gibt es eine Mehrheit für das Ende des Abtreibungsverbots.


0 Kommentare