25.05.2018, 16:15 Uhr

New York (AFP) Harvey Weinstein wegen Vergewaltigung und anderer Übergriffe angeklagt

Weinstein verlässt die Wache in Handschellen. Quelle: AFP/Bryan R. Smith (Foto: AFP/Bryan R. Smith)Weinstein verlässt die Wache in Handschellen. Quelle: AFP/Bryan R. Smith (Foto: AFP/Bryan R. Smith)

Früherer Hollywood-Produzent unter Auflagen auf freiem Fuß

Mehr als sieben Monate nach Bekanntwerden der ersten Vergewaltigungsvorwürfe gegen den einstigen Hollywood-Produzenten Harvey Weinstein ist der 66-Jährige in zwei ersten Fällen angeklagt worden. Weinstein werden Vergewaltigung und ein weiterer sexueller Übergriff vorgeworfen, wie die Bezirksstaatsanwaltschaft von Manhattan am Freitag mitteilte. Die Taten in den Jahren 2004 und 2013 richteten sich demnach gegen zwei verschiedene Frauen. Vorkämpferinnen der durch die Weinstein-Affäre losgetretenen #MeToo-Debatte begrüßten die Anklage.

Weinstein hatte sich zuvor den New Yorker Behörden gestellt. Er erschien am Freitagmorgen in einer Polizeiwache in Manhattan, wo er von dutzenden Fotografen und Fernsehteams erwartet wurde. Die Polizei teilte knapp mit, Weinstein sei "festgenommen, erkennungsdienstlich behandelt und der Vergewaltigung, krimineller sexueller Handlungen, des sexuellen Missbrauchs und sexuellen Fehlverhaltens" beschuldigt worden.

Anderthalb Stunden später verließ Weinstein die Wache in Handschellen und wurde in einem nahegelegenen Gericht einem Richter vorgeführt. Dieser verfügte Weinsteins Freilassung unter Auflagen. Der 66-Jährige musste eine Kaution in Höhe von einer Million Dollar (853.000 Euro) hinterlegen und bekam eine elektronische Fessel.

Der frühere Erfolgsproduzent, der zahlreiche preisgekrönte Filme produziert hatte, musste seinen Pass abgeben und darf sich nur in New York und im benachbarten Bundesstaat Connecticut aufhalten. Eine weitere Anhörung wurde für den 30. Juli anberaumt.

Weinsteins Anwalt Ben Brafman kündigte an, sein Mandant werde auf nicht schuldig plädieren. "Wir wollen sehr schnell vorgehen", um eine Einstellung des Verfahrens zu erreichen, sagte der prominente Strafverteidiger. Die Vorwürfe gegen seinen Mandanten seien "verfassungsrechtlich fehlerhaft" und nicht ausreichend durch Beweise gedeckt. Weinstein selbst äußerte sich nicht.

Die Anklage wegen Vergewaltigung bezieht sich laut Staatsanwaltschaft auf einen Fall vom 18. März 2013. Der Name des Opfers wurde nicht genannt. Es könnte sich um einen bislang unbekannten Fall handeln. In der zweiten Anklage geht es um erzwungenen Oralsex im Sommer 2004. Ob es sich um den Fall der Schauspielerin Lucia Evans handelt, bestätigte die Staatsanwaltschaft nicht.

Die ersten Vorwürfe gegen Weinstein waren im Oktober bekannt geworden. Inzwischen werfen ihm mehr als hundert Frauen, darunter zahlreiche Stars wie Angelina Jolie und Gwyneth Paltrow vor, sie sexuell belästigt oder gar vergewaltigt zu haben. Der früheste Fall soll etwa 40 Jahre zurückliegen. Weinstein bestreitet die Vorwürfe. Nach seiner Darstellung war der Sex immer einvernehmlich.

Die Schauspielerin Rose McGowan, die Weinstein im Oktober als eine der ersten der Vergewaltigung beschuldigt hatte, sagte dem Sender ABC, sie stehe "unter Schock": "Ich muss zugeben, dass ich nicht damit gerechnet habe, ihn eines Tages in Handschellen zu sehen." Tarana Burke, Gründerin der #MeToo-Bewegung, erklärte bereits am Donnerstag: "Das ist total befreiend für viele Opfer."

Auch wenn Weinstein vor Gericht gestellt werde, wäre es bis zu einer Verurteilung wegen sexueller Übergriffe noch ein weiter Weg, sagte die Strafverteidigerin und Ex-Staatsanwältin Julie Rendelman der Nachrichtenagentur AFP. Es sei zu erwarten, dass Weinsteins Anwalt Brafman für seinen Mandanten "sehr hart kämpfen" werde.

Brafman hatte schon den früheren Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF), Dominique Strauss-Kahn, vor einer Verurteilung wegen eines sexuellen Übergriffs auf ein Zimmermädchen im Jahr 2011 bewahrt.

Die Vorwürfe gegen Weinstein traten die sogenannte #MeToo-Debatte los, in deren Verlauf weltweit zahlreiche mutmaßliche Opfer sexueller Gewalt an die Öffentlichkeit gingen.


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